Comic-Figur mit viel Kawumms: Was die Medien zum "Tatort" mit Til Schweiger sagen

Montag, 11. März 2013
"Comic-Figur Tschiller": Trotz einiger Spitzen kommt Til Schweiger ganz gut weg
"Comic-Figur Tschiller": Trotz einiger Spitzen kommt Til Schweiger ganz gut weg


Der erste "Tatort" mit Til Schweiger ist in den Pausengesprächen heute das dominierende Thema. Auch die großen Tageszeitungen und Nachrichtenportale kommen am "Tatort: Willkommen in Hamburg" nicht vorbei. Dabei finden die meisten Kommentatoren durchaus lobende Worte für Schweiger und die Regie von Christian Alvart - können sich die eine oder andere Spitze aber natürlich nicht verkneifen. Die Kommentare zum "Tatort: Willkommen in Hamburg" im Überblick.

"Frankfurter Allgemeine"

"Als Nick Tschiller ist Schweiger sehr passabel - und natürlich auch höchst quotenträchtig. Man hat ihm, dem Hahn im Korb, eine Reihe von expressiven Schauspielerinnen zur Seite gestellt, Mavie Hörbiger etwa, Edita Malovcic, Svetlana Ustinova, Stefanie Stappenbeck oder die junge Nicole Mercedes Müller.

"Fuck" ist das erste Wort, das er sagt, "Scheiße" war 1981 jenes von Götz George als Horst Schimanski. Noch ist dieses Rollenvorbild vor allem eine Herausforderung, als Nachfolger von Mehmet Kurtulus, der von 2008 an sechsmal als Undercover-Agent für den Hamburger "Tatort" überzeugte, aber ist Til Schweiger gewiss keine Fehlbesetzung."

Stern.de

"Willkommen in Hamburg" macht alles richtig. Alvart stellt (wie auch schon mit dem Gruselschocker "Borowski und der stille Gast") einen neuen "Tatort" in die alte Reihe. Die Action wird konsequent durchgezogen, das Thema ernst genommen, ohne dass sich der Krimi selbst zu ernst nimmt. Dieser "Tatort" fährt die Gefühls-Achterbahn einmal ab und entlässt seine Zuschauer gut unterhalten in die neue Woche. Und darum geht es schließlich im "Tatort".

Süddeutsche.de

"Ich hab meine erste Hühnersuppe für dich gekocht", nuschelt Tschiller zur Tochter rüber. Darüber hinaus schießt und spricht er, kurz und knapp. "Wenn du abhauen willst, dann hau ab - aber draußen werden sie dich finden", sagt er zur Nachwuchsprostituierten. "Ich hätt gern 'ne Eieruhr, die richtig Rabatz macht", sagt er zur Verkäuferin im Kleinwarengeschäft.

Regisseur Alvart kann es laut und leise und findet sogar die Mittellage, wenn er seinen Kommissar sprechen lässt. "Schiller, wie der Dichter?" fragt ihn jemand. "Ne, mit T vorne. Tschiller. Ich nuschel ein bisschen." Til Schweiger, selbstironisch. Wirklich jede Menge Neues am Tatort diesmal."

WAZ.de

"Die Comic-Figur Tschiller huldigt den altmodischen Idealen eines ausgekochten Kerls, flinke Fäuste, flinke Beine, jeder Schuss ist ein Treffer, Schrammen gehören zum Geschäft, aber sein Heim gleicht einer Rumpelkammer. Schimanski grüßt von Ferne. (...)

Dass der Popcorn-Krimi allen Einwänden zum Trotz funktioniert, ist auch Regisseur Alvarts Gefühl für Rhythmus-Wechsel zu verdanken. Ruhige Szenen – vor allem mit Vater und Tochter – lassen das Publikum durchatmen. Kurz: Der Schweiger-Kommissar bietet leichte Unterhaltung als kleine Flucht aus dem Alltag."

Focus Online

"Der neue "Tatort" aus Hamburg ist ein hauptsächlich physisches Spektakel. Er soll damit wohl den alten Hamburger ersetzen, der das ja auch schon war. Das macht er ziemlich manierlich. Es gibt schmissig hektische Schnitte bei brutalen Kämpfen, viel Kawumms bei lauten Schießereien und ein paar bullige Dialoge. Ein wenig rohrkrepiert das alles, als Schweiger – "Mann Max, wir sind zusammen durch den Dreck" – beim großen Showdown noch etwas mehr schauspielern oder wenigstens Pathos geben müsste, und das einfach nicht kann. Es ist damit, allen Unkenrufen zum trotz, auch ein ziemlich normaler "Tatort". Kein sonderlich guter, aber ein sehr actionreicher."

Welt Online

"Eines vorweg: Es ist noch Wein übrig. So schlimm war es nämlich gar nicht. Das war ein absolut okayer "Tatort". Und Til Schweiger als Kapuzenpulli-Kommissar mit Hau-Drauf-Charisma war eigentlich ziemlich erfrischend. Das Problem ist, dass Til Schweiger immer Til Schweiger ist. Egal, was er macht. Das muss man akzeptieren.

Die Frage ist: Warum lässt man Tschiller nicht einfach Tschiller sein? Diese ganzen Anspielungen auf Til Schweiger und seine putzigen Problemchen im echten Leben sind unnötig. Schweigers Problem ist doch, dass er so omnipräsent auftritt. Dass er sich mit seinen romantischen Beziehungskomödien so unerträglich mainstreamig gemacht hat. Als cooler "Tatort"-Kommissar könnte er eine ganz andere Zielgruppe erreichen. Ein völlig neues Image aufbauen. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir den Schweiger mal für 90 Minuten komplett vergessen können.

Aber bitte, lieber Kommissar Tschiller, wenn das mit uns noch was werden soll: Du bist eigentlich ein guter Typ. Vergiss einfach, dass du im wahren Leben Til Schweiger bist. Damit wir das auch mal vergessen können. Dann schalten wir beim nächsten Mal wieder ein."

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