"Closer" im HORIZONT-Check: Ein Kessel Buntes für den Kiosk

Mittwoch, 22. Februar 2012
Bunt ist nicht nur das Cover von "Closer"
Bunt ist nicht nur das Cover von "Closer"

"People ist jetzt Pink" bringt Chefredakteur Tom Junkersdorf das Konzept des neuen Magazins "Closer" von Bauer Media auf eine griffige Formel. Beim ersten Durchblättern wird man allerdings eher an einen Kessel Buntes erinnert. Das Heft bietet eine kunterbunte Mischung aus Promi-News, Schicksalsgeschichten, Mode und Ratgeberthemen. Bereits das prall gefüllte Cover macht deutlich, dass "Closer" einen ziemlich breiten Spagat wagt: Hingucker ist natürlich der unvermeidliche Promi, in diesem Fall Sylvie van der Vaart. Darumherum finden sich Hinweise auf Promi-News, Rezepte, Real-Life-Geschichten, Modetipps und "33 Seiten Top-Ratgeber".

Im Heft hat die Redaktion versucht, die Themenvielfalt in das Korsett der drei Ressorts Star News, Real Life und Lifestyle zu zwängen. Bei den "Star News" stehen dabei im Gegensatz zu "Bunte" und "Gala" in erster Linie deutsche Stars im Mittelpunkt, um genauer zu sein: TV-Stars. Mit wenigen Ausnahmen kreisen die People-Geschichten um aktuelle Fernsehformate wie "Deutschland sucht den Superstar", "Der Bachelor" oder die neue Staffel von "Germany's Next Topmodel", die Rubriken tragen Überschriften wie "Reingezappt" oder "Talkshow". Was zunächst nach einer inhaltlichen Beschränkung aussieht, könnte sich indes als kluge Strategie erweisen. Viele populäre TV-Formate sind ohnehin "Talk of the Town" - Aufmerksamkeit ist also garantiert. Zudem kann sich das Magazin damit von den stark international ausgerichteten etablierten People-Magazinen abgrenzen und mit Exklusivität glänzen. An einen Dieter Bohlen kommt man sicher leichter ran als an Brad Pitt. 

Am dünnsten ist das Ressort "Real Life" - auch dieser Begriff stammt wohl nicht von ungefähr aus dem TV-Vokabular. Und auch die Themen könnten in dieser Form ohne weiteres in den einschlägigen Sendungen von RTL, Sat 1 oder RTL 2 abgehandelt werden: "Ich liebte einen Frauenmörder", "Ich bekomme ein Kind von einem 16-Jährigen" oder "Durch Hypnose habe ich 70 Kilo abgenommen." 

Am breitesten ist die thematische Palette im Ressort "Lifestyle": Neben klassischen Frauen-Themen wie Mode oder Beauty & Pflege finden sich hier auch Ernährungs- und Gesundheitstipps, Rezepte, Beiträge zu Partnerschaft und Sex und Ratgeberrubriken zu Wohnen und Deko, Recht oder Finanzen. Nicht fehlen dürfen bei dem Rundumschlag natürlich ein Horoskop, Rätsel oder die TV-Tipps der Woche. Auch das Layout wirkt ein wenig wie ein Best-Of aus "Intouch", "Life & Style" und "Tina".

Unter dem Strich wirkt "Closer" damit tatsächlich wie ein ziemlich bunt zusammengerührter Eintopf. Es gibt kaum ein Thema, dass man nicht in ähnlicher Form in einer anderen Zeitschrift finden würde. Wie bei einem guten Essen kommt es aber auch bei einer Zeitschrift am Ende auf die richtige Mischung an. Und hier setzt Bauer offensichtlich auf die größtmögliche Schnittmenge der angepeilten Zielgruppe der 20- bis 49-jährigen Frauen. Genauer: Frauen, die gerne TV-Unterhaltungsformate schauen, mindestens eine Frauenzeitschrift plus eine Tageszeitung lesen und sich für das heimische öffentliche Leben interessieren - und die bestehenden People-Magazine links liegen lassen. Und davon gibt es 6,2 Millionen, hat die Marktforschung von Bauer ausgerechnet. Die Zielgruppe ist also vorhanden.

Ob das reich gedeckte Buffet von "Closer" den Geschmack der Zielgruppe trifft, oder ob nicht vielleicht weniger mehr gewesen wäre, darüber wird in den kommenden Wochen am Kiosk abgestimmt. Aber auch hier will Bauer nichts dem Zufall überlassen: Der Verkaufsstart wird von einer millionenschweren Einführungskampagne von Kemper Trautmann begleitet. dh
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