Christoph Schuh warnt: Targeting ist der nächste große Kampfplatz

von Juliane Paperlein
Mittwoch, 16. Januar 2013
Christoph Schuh, Vorstand von Tomorrow Focus (Foto: F. Vogel)
Christoph Schuh, Vorstand von Tomorrow Focus (Foto: F. Vogel)

Targeting, also die zielgerichtete Auslieferung von Werbung, und der damit verbundene Wettbewerb um die Daten der Nutzer bewegt zunehmend die Onlinebranche. "Das Thema Targeting wird der nächste große Kampfplatz", sagt Christoph Schuh, Vorstand von Tomorrow Focus, auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt. "Die Publisher müssen aufpassen, dass sie nicht ihr Inventar weitergeben“, sagte Schuh, dessen Tomorrow Focus eine Tochter von Hubert Burda Media ist.
Schütz, Schuh, Blomenkamp, Genzlinger, Ehrlich, Missler, Woods - v.l. (Foto: F. Vogel)
Schütz, Schuh, Blomenkamp, Genzlinger, Ehrlich, Missler, Woods - v.l. (Foto: F. Vogel)
„Wenn wir das tun, haben wir komplett verloren“, warnt Schuh. Mit dieser Einschätzung bekommt Schuh Rückendeckung von Matthias Ehrlich, Vorstandsvorsitzender von United Internet Media. „Der Besitz von Daten ist entscheidend“, sagt Ehrlich. Er betrachtet mit Sorge Bestrebungen, die europäischen Unternehmen mittels europaweit gültiger Richtlinien einzuschränken, die „eine Schicht von Taliban aus den 70ern mit einem grauen Zöpfchen am Hinterkopf“ sich ausdenken. Derzeit sind Modelle in der Diskussion, die den Besitz von Daten grundsätzlich für illegal erklären wollen. „Die Daten sind der Treibstoff dieses Krieges. Und die europäische Regierung verhindert den Treibstofffluss.“

Matthias Ehrlich, Vorstandsvorsitzender von United Internet Media (Foto: F. Vogel)
Matthias Ehrlich, Vorstandsvorsitzender von United Internet Media (Foto: F. Vogel)
Ehrlich und Schuh blicken mit Sorge auf Google und andere große Player. Aber auch die Mediaagenturen versuchen, in dem Wettkampf um die Daten die Hoheit zu gewinnen. "Wir wollen das nicht den US-Konzernen allein überlassen", sagt Jürgen Blomenkamp, CEO Group M Trading. Die Agentur rühmt sich auf ihrer Website, die größte Sammlung von Kundenprofilen weltweit zu haben. „Wir haben eine gute Ausgangsbasis“, sagt Blomenkamp über die Daten, die die Group M von den Kunden bekommt, für die sie Kampagnen planen. Mit den Spezialagenturen Xaxis und Quisma rollt die Group M das Feld in großem Stil auf – zum Unbehagen der Onlinevermarkter.

Dabei steht die Group M selbst durch Google unter Druck. Viele Kunden buchen direkt bei dem Konzern – an den Agenturen vorbei. Schuh schätzt, dass der Onlinewerbeumsatz netto bis 2015 auf 5 Milliarden Euro steigen wird – und dass Google davon zwei Drittel (rund 3,3 Milliarden Euro,) auf sich vereinigen wird. pap
Newsletter
Holen Sie sich täglich die neusten Nachrichten und Kreationen.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.


Meist gelesen
stats