Christian Wulff stellt sich ARD und ZDF / Aust: "Politischer Selbstmordanschlag"

Mittwoch, 04. Januar 2012
Ulrich Deppendorf wird Wulff zusammen mit Bettina Schausten in die Zange nehmen
Ulrich Deppendorf wird Wulff zusammen mit Bettina Schausten in die Zange nehmen


Bundespräsident Christian Wulff wird heute Abend Stellung zu seinem umstrittenen Hauskredit und der versuchten Einflussnahme auf Journalisten nehmen. ARD und ZDF zeigen um 20.15 Uhr ein Interview mit Wulff. In der Sendung "Bundespräsident Wulff stellt sich" befragen Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten den CDU-Politiker zu den schwerwiegenden Vorwürfen. Erste Ausschnitte aus dem interview wollen beide Sender bereits um 19 Uhr zeigen, das Zweite in der regulären "Heute"-Ausgabe, das Erste hat um 19 Uhr eigens eine dreiminütige Sonderausgabe der "Tagesschau" ins Programm gehoben.

Unterdessen glauben viele Beobachter, dass Wulff nur noch der Rücktritt bleibt. "Oft verlieren Leute ihre Position dann, wenn sie von ihrer eigenen Basis nicht mehr getragen werden. Und im Moment gibt es nur noch sehr wenige Leute, die für Wulff ihre Stimme erheben", sagt zum Beispiel der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust im Interview mit dem "Tagesspiegel".

"Hinzu kommt, dass Politiker meistens nicht darüber stürzen, was in einer Affäre selbst passiert ist, sondern darüber, was sie getan haben, um diese Affäre zu vertuschen. Der Vertrauenskredit, den ein Bundespräsident in seinem Amt haben muss, den hat Wulff spätestens durch die Telefongeschichte verspielt", glaubt der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur. 

Aust selbst könne sich aus seiner Zeit als Chefredakteur nicht an "einen so massiven Versuch der Intervention" erinnern, wie ihn Wulff mit seinem Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann unternommen habe. Zwar hätten auch bei ihm Politiker, vor allem aber Wirtschaftsmanager angerufen, um Geschichten zu beeinflussen - "Ich habe aber immer sehr deutlich gesagt, dass es nichts nutzt, mich anzurufen", so Aust. Über den Anruf von Wulff bei Diekmann kann Aust nur den Kopf schütteln: "Als Bundespräsident darf man nicht so die Kontrolle über sich verlieren, dass man solche Telefonanrufe tätigt - und dann auch noch auf eine Mailbox zu sprechen. Das ist ja wie ein politischer Selbstmordanschlag. Da muss man von allen guten Geistern verlassen sein." dh
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