Chip-Online sieht Potenzial im Social Media Marketing

Montag, 11. April 2011
Chip Online nutzt seine Community für eine steigende Anzahl von Kampagnen
Chip Online nutzt seine Community für eine steigende Anzahl von Kampagnen


Bei der Erschließung neuer Erlösquellen jenseits der klassischen Werbemarktes entdecken Medien das wirtschaftliche Potenzial des Community Marketings. Statt dem Nachrichtenangebot stehen Online-Diskussionsforen sowie Events im Fokus der Vermarktung. Die Medienmarke wird dabei zum Moderator einer direkten Begegnung zwischen Marke und Konsumenten. Thomas H. Kaspar erklärt, welche Stärken die klassischen Medien gegen Facebook & Co. ins Feld führen und wie sich die Regeln der Vermarktung in den Communities ändern. 

"Leser brennen geradezu darauf, über ihr Konsumverhalten zu sprechen"

Chip-Online Community Manager Thomas H. Kaspar
Chip-Online Community Manager Thomas H. Kaspar
CHIP-Online ist seit einiger Zeit sehr aktiv im Community-Marketing. Sie als leitender Community Manager haben diese Entwicklung von Anfang an begleitet. Wo stehen Sie jetzt?
Wir sprechen von Social Media Marketing, da es nicht nur um Community Marketing geht,
sondern auch um die Bereitstellung der Reichweite in allen Web-2.0-Kanälen. Das Geschäftsfeld ist 2010 explosionsartig gewachsen. Wir haben mit ersten gemeinsamen Aktionen wie Preisausschreiben angefangen, sind dann zu User-Tests übergegangen und haben inzwischen ein ganzes Portfolio erprobter Module zur Verfügung. Jetzt konzentrieren wir uns auf die effiziente Durchführung von immer mehr und immer größeren Kampagnen.

Andere Medienhäuser sehen in Social Media noch ein Trendthema ohne reale Umsatzperspektive...
Prinzipiell gilt, dass Social Media Marketing alles und nichts kann. Wer diese neuen Formate als erster virtuos beherrscht, erreicht seine Zielgruppen früher und intensiver als die Konkurrenten. Der Kern ist, mit dem Werbepartner zusammen Ziele und Maßnahmen so lange und tief zu diskutieren, bis sich realistische und umsetzbare Maßnahmen entwickeln lassen. Und diese werden sich definitiv auch langfristig als Standardmethoden des Marketings durchsetzen.

Mit diesem Vermarktungsansatz stehen Sie allerdings in direkter Konkurrenz zu den großen Social Communities. Haben Sie da als eine klassische Medienmarke überhaupt eine Chance?
Medienmarken sind auch im Web immer noch Leuchttürme, die Leser und damit
Aufmerksamkeit anziehen. Wo Aufmerksamkeit ist, kann man zusätzliche Angebote machen. Die Kunst des Community Managements wie des Social Media Marketings besteht darin, passgenau auf die eigene Marke und Userschaft zugeschnittene Angebote zu schaffen, die Lesern echten Mehrwert bieten. Dieses Bedürfnis zu verstehen und darüber intensive intrinsisch motivierte Beschäftigung mit den Marken zu erzeugen, führt zu massiven neuen Monetarisierungsmöglichkeiten.

Aber wollen die User sich überhaupt so intensiv mit den Marken beschäftigen, oder empfinden sie das nicht eher als eine Art Werbebelästigung?
Meine Behauptung ist, dass die Leser geradezu darauf brennen, über Ihr Konsumverhalten zu sprechen. Denn das unterscheidet jede Medienmarke von einer General Interest Social Plattform wie Facebook: Hierher kommen die Nutzer, weil sie nach Themengebieten vorselektieren oder gezielt die Medienmarke aufsuchen. Es ist schon unglaublich viel Energie vorhanden, die nur noch einen winzigen Katalysator in Form einer guten Aktion mit einem guten Anreiz benötigt.

Report Entscheidermedien

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Mehr zum Thema lesen Sie im aktuellen Report Entscheidermedien in HORIZONT-Ausgabe 14/2011.

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Medienmarken werden von Journalisten getragen. Müssen diese jetzt zu Community-Moderatoren "umschulen"?

In dieser Frage bin ich sehr hart. Klassische Journalisten können und sollen das nicht.
Entweder sie senden und bieten Orientierung oder sie hören zu, moderieren und
interagieren. Ich meine damit nicht, dass Journalisten nicht interaktiver werden sollen oder mit den Usern diskutieren sollten, auf Feedback eingehen und so weiter. Aber sie sind keine Community Manager, sie haben keine Ahnung von der Auswahl der richtigen User, vom Konfliktmanagement oder der Beantwortung von Anfragen Samstagnacht um 21.47 Uhr. Community Management und Social Media Marketing sind schlicht neue eigene Berufsfelder - in die kann sich auch ein klassischer Journalist hinein entwickeln, er ist dann aber kein Journalist mehr. cam
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