Chillout: Die heile Welt des VDZ und mehr

Freitag, 26. Oktober 2012
VDZ übt sich in Optimismus
VDZ übt sich in Optimismus

Zwei Wochen vor dem Publishers Summit verbreitet der VDZ Optimismus und rechnet sich die Print-Welt schöner als sie ist. Was noch passiert ist in dieser Woche bringt der HORIZONT.NET-Wochenrückblick Chillout: Gerd Zeilers Thesen zum TV der Zukunft. Warum Online-Journalismus genauso wertvoll ist wie Print-Journalismus. Saturn und Media Markt vergeigen ihre Kampagne. Einheitsfront gegen Google.

MEDIEN

Die heile Welt des VDZ oder: Ein Verband rechnet sich die Welt schöner. Ich kann's ja verstehen. Die Medientage in München toben, der Publishers Summit steht vor der der Tür. Da braucht der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Nachrichten, vor allen Dingen gute. Doch die jüngsten Verlautbarungen der Zeitschriftenverleger malen die Welt  allzu sehr in rosarot. Alle Verleger beklagen derzeit - zumindest off the record und oft nicht zitierfähig - die schwierige Anzeigenlage. Fast alle Magazin-Dickschiffe liegen im Minus. 2012 wird also ein eher trübes Jahr fürs klassische Printgeschäft, 2013 vielleicht noch härter. Und der VDZ? Er verkündet als Ergebnis der Herbstumfrage seiner Mitglieder fröhlich ein Umsatzplus von 1,4 Prozent für 2012. Treiber sollen die digitalen Geschäftsfelder sein. Doch deren Wertschöpfung - zumindest im Anzeigenbereich - kann die Verluste von good old print nicht auffangen. Viele Verlage - Ausnahmen bestätigen die Regel - feilen auch im Herbst 2012 noch an einem funktionierenden Geschäftsmodell fürs Digitale. Umso mehr verwundert der Optimismus der befragten Verbandsmitglieder. Vielleicht sollte der VDZ seinen Umfrage ähnlich reformieren wie der Agenturdachverband GWA es mit seinen Trendumfragen machen will.

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Gerhard Zeiler: Die Medientage München sind die große Comeback-Plattform des ehemaligen Chef der RTL Group. Zeiler, mittlerweile bei Turner tätig, präsentiert 8 Leitsätze für das TV der Zukunft. Hier sind sie im Schnelldurchlauf:
1. Mache es Zuschauern leicht, alle seine Programme, zu jeder Zeit, auf allen Geräten konsumieren zu können
2. You have to be local
3. Fragmentiere Dich selbst, bevor Dich andere fragmentieren
4. Habe keine Angst vor Facebook, Twitter und Youtube. Im Gegenteil: Nutze Sie, so gut Du kannst
5. Positioniere Deine Marke richtig 
6. Die Pay-TV-Industrie ist ein essentieller Teil der Fernsehlandschaft
7. Fail often, fail fast, fail cheaply   8. Respektiere den kreativen Prozess und investiere in ihn
8. Respektiere den kreativen Prozess und investiere in ihn

Online-Journalismus: Nicht überall, aber in vielen Redaktionen dieser Republik müssen sich Online-Journalisten im Vergleich zu den Print-Kollegen vorkommen wie Journalisten zweiter Wahl: Sie haben weniger Außentermine, ergo weniger Kontakte als die Print-Macher. Sie haben weniger Zeit zum Recherchieren, müssen aber schneller produzieren. Weil sie weniger Außentermine und Zeit haben, haben sie viel weniger Möglichkeit, profundes Fachwissen aufzubauen. Online-Journalisten müssen technikaffin und multimediafähig sein. Wie eine Zeitung gedruckt wird, interessiert den Printkollegen herzlich wenig. Und: Manchmal verdienen Onliner sogar weniger als die Printler, ist zu lesen. Im Gespräch mit HORIZONT.NET-Korrespondent Roland Pimpl bricht IDG-Chef York von Heimburg eine Lanze für die Online-Kollegen. Kommentar eines Lesers: „Gut gebrüllt!“

Was sonst noch passiert ist: +++Medientage: Die besten Sprüche+++Online-Initiative: UIM, IM, Pilot und Plan.net gründen 4Q+++Regional-Zeitungen: Start von G7+++IVW 3/12: Minus überwiegt+++Schrumpfkur: Springer legt Hamburger „Welt“-Lokalredaktion mit „Hamburger Abendblatt“ zusammen

MARKETING

Saturn: Wir erinnern uns: 2003, der New-Economy-Crash war gerade überstanden, entwickelte Jung von Matt für den Elektronikhändler eine Kampagne, deren Slogan „Geiz ist geil" jahrelang das Lebens- und Shoppinggefühl der Nach-New-Econmy-Ära auf den Punkt brachte. 2010 hieß der Slogan auf einmal „Geil ist geil", eine einigermaßen sinnentleerte Remineszenz an den alten Claim. Auch die Agentur war neu: Scholz & Friends sollte für Schwung sorgen. Nun betreut S&F seit zwei Jahren den schwierigen Kunden, die Kampagnen sind in der Regel grell, krawallig und kommen zumindest bei Werbern nur mittelmäßig an. Auch der Weihnachtsspot ist allenfalls Durchschnitt. Die Werbebilder suggerieren echtes Endzeit-Actiondrama. Doch eigentlich wird nur versucht, mit dramatischen Bildern die fehlende Message zu übertünchen.  Diese Werbung wirkt so glaubwürdig wie Til Schweiger als deutscher Elite-Kämpfer. Übrigens: Wie es anders geht, zeigt die Konzernschwester Media-Marktmit ihrer Weihnachtskampagne: Auch nichts für Intellektuelle und Award-Shows, aber grell, plakativ, Media-Markt-Style eben.

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Google:
In Frankreich rebellieren die Verlagshäuser gegen den Frenemy der Verlagswelt. In Brasilien ziehen sich mehr als 100 Zeitungen komplett aus Google News zurück. Am schlimmsten für Googlianer: Die Börse straft die Quartals-Bilanz gnadenlos ab. Keine Frage: Das waren keine guten Tage für Google. „Don't be evil" lautet bekanntlich das Firmenmotto des Konzerns, dessen „undurchsichtige Methoden" der „Spiegel" in der aktuellen Titelgeschichte beleuchtet. Der Artikel bringt inhaltlich nichts Neues, ist aber gut getimt. Was also ist Google? P7S1-Manager Conrad Albert bringt das Unbehagen vieler Medienmanager gegenüber dem US-Suchgiganten auf den Punkt: „Google erinnert mich an den Mann mit dem Hund: ‚Der tut nichts, der will nur spielen‘."

Was sonst noch passiert ist:+++Schrei vor Glück: Zalando erhält den Deutschen Marketingpreis+++Apple: Jetzt kommt der iPad Mini+++Microsoft 8-Kampagnen geht los+++PwC: Wirtschaftsprüfer bringt Brutto und Netto beim Online-Werbemarkt durcheinander

AGENTUREN

GWA: Nicht nur der VDZ hat Probleme mit seinen Trendumfragen bei den Verbandsmitgliedern. Auch der Frühjahrs- und Herbst-Monitor des Agenturdachverband GWA überrascht bisweilen mit bizarren Ergebnissen. Allzu häufig verwechseln die befragten Agenturmanager Wunschdenken mit Realität. Nun sollen die Umfragen reformiert und wieder relevanter werden. Das ist gut so.

Was sonst noch passiert ist:+++Cresta Awards: Grandprix für Serviceplan und BBDO Proximity+++Wolf Heumann wird Co-Kreativchef von S&F+++ Mega-Pitch: Ferrero konsolidiert Mediabudget in 24 europäischen Märkten bei Aegis Media.vs











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