Chefredakteure mahnen Regionalmedien zur Zusammenarbeit

Mittwoch, 12. Juni 2013
Ulrich Reitz, Sven Gösmann und Armin Maus (v.l.) im Gespräch mit Anja Sturm (HORIZONT)
Ulrich Reitz, Sven Gösmann und Armin Maus (v.l.) im Gespräch mit Anja Sturm (HORIZONT)


Kein Podium zu Gegenwart und Zukunft der Zeitungen kommt ohne folgende Fragestellung aus: Wie können Medienhäuser auf die Krise angemessen reagieren? Auf dem Zeitungsgipfel in Wiesbaden war sich die dreiköpfige Chefredakteursrunde bezüglich möglicher Lösungsansätze weitgehend einig. Stetig sinkende Abonnentenzahlen, rückläufige Vertriebs- und Anzeigenerlöse, Umsatzrückgänge in Millionenhöhe: Die Probleme der Zeitungen sind hinlänglich bekannt, die Konsequenzen auch. Beispiel Funke-Mediengruppe: Der Essener Konzern kündigte in diesem Jahr umfangreiche Stellenstreichungen in den Bereichen Redaktion und Verwaltung an. Ulrich Reitz, Chefredakteur der Funke-Zeitung "Westdeutsche Allgemeine" bat jedoch um Beachtung der Tatsache, dass seine Redaktion trotz Sparmaßnahmen allein für Mantelinhalte 70 Redakteure zur Verfügung habe, zudem seien die Seiten im Lokalteil erhöht worden.

Ergo: die journalistische Qualität sei nicht in Gefahr. Gleichwohl treibt der Sparzwang die Verlage dazu, neue Wege zu gehen. Reitz identifizierte dabei den Branchentrend, dass insbesondere Regionalzeitungen stärker zusammenarbeiten. Zuspruch kam von Sven Gösmann, Chefredakteur der in Düsseldorf beheimateten "Rheinischen Post", der appellierte, sich von dem alten Konkurrenzdenken zu verabschieden: Kooperationen können auf vielen Ebenen stattfinden. Nicht die WAZ ist mein Gegner, sondern der Nicht-Leser, der Nicht-Interessierte. Die Zusammenarbeit dürfe dabei durchaus auch die redaktionelle Arbeit einbeziehen. Denn, wie Gösmann es ausdrückte: Es braucht nicht jeder jemanden zu den Olympischen Spielen schicken. Auch der dritte Chefredakteur der Runde sah es ähnlich: Man kann auch mit begrenzten Ressourcen einiges bewegen, wenn man die Dinge in der Konzentration tut, so Armin Maus von der "Braunschweiger Zeitung".

So weit zur Arbeitsorganisation. Und auch darin, wo inhaltlich das Heil ihrer Zeitungen zu suchen sei, waren sich die Podiumsteilnehmer weitgehend einig: Wir sind geradezu unbarmherzig konsequent lokal, sagte Maus, der mit seiner "Braunschweiger Zeitung" Bürgerreporter ins Feld schickt und Feedback der lokalen Leser auf so genannten Antwortseiten ins Blatt hebt. Die "Westdeutsche Allgemeine" leistet sich ebenfalls eine Bürgerseite im Lokalteil und fragt auch online ihre Leser nach lokalem Content wie Fotos. Auch Gösmann gab zu Protokoll, das Vertrauen in seine Medienmarke von unten - sprich auf lokaler Ebene aufbauen zu wollen. Gleichwohl warnte der RP-Chefredakteur davor, die überregionale, einordnende Berichterstattung auf dem Altar des Lokalen zu opfern. ire
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