"Chatter": Plant Burda einen Großangriff auf Bauers "Intouch" und Klambts "OK"?

Freitag, 28. Mai 2010
Hat offenbar Pläne für ein neues Magazin: Burda-Vorstand Philipp Welte
Hat offenbar Pläne für ein neues Magazin: Burda-Vorstand Philipp Welte

Kampfansage im Klatsch-Markt: Der Münchner Großverlag Hubert Burda Media erwägt nach Informationen von HORIZONT.NET, unter dem Dach seiner Offenburger Dependance ein neues junges People-Magazin auf die Beine zu stellen. Das Heft könnte „Chatter" heißen - dies ist zumindest der Titel eines 40-seitigen Dummy-Drucks auf einer Art Zeitungspapier (plus ein 12-seitiger größerformatiger Beileger mit Fashion- und Beauty-Themen), der in Verlags- und Mediakreisen kursiert. Zudem hat sich Burda Digital Systems in Offenburg die Domain „chatter.de" gesichert. Redaktionell entwickelt wurde das Projekt den Infos zufolge vom Promi-Journalisten Boris Hächler. Von Burda war zunächst kein Statement zu erhalten; Hächler war nicht zu erreichen.

Cover eines "Chatter"-Dummys
Cover eines "Chatter"-Dummys
Die Vita Hächlers und die bisherigen Informationen zum Projekt und Dummy lassen erahnen, wohin die Reise geht: „Chatter" könnte Burdas Großangriff auf Titel wie "Intouch" (Bauer) und „OK" (Klambt) werden - also auf jenes erfolgreiche People-Segment im ohnehin florierenden Frauenmarkt abzielen, das vor allem junge Leserinnen mit schnellen, bisweilen schrillen und lästernden Bildern, News, Geschichten und Gossip über die Promis dieser Welt unterhält. „Intouch" (Copypreis: 1,80 Euro) verkauft inzwischen wöchentlich 285.676 Hefte, „OK" (1,90 Euro) kommt mittlerweile auf 215.074 Exemplare (IVW I/2010). Bisher hat Burda eher mutlos in diesem Segment agiert; ähnliche Entwicklungsprojekte (Arbeitstitel "Mausi", "It") wurden nie realisiert.

Hächler war früher Society-Kolumnist der Münchner „Abendzeitung" (1998 bis 2001), Chefredakteur des dortigen Szeneblattes „Sepp" (2001 bis 2004) und stellvertretender Chefredakteur bei Bauers „Intouch" (2005 bis 2008). Zuletzt war Hächler Chefredakteur des Promi- und Paparazzi-Portals „Smash 24/7", das im Sommer 2008 gestartet war. Dort firmiert Hächler immer noch als Publisher. (Gestern hat HORIZONT.NET an dieser Stelle geschrieben, das Portal habe offenkundig den Betrieb eingestellt, da die Site länger nicht zu erreichen war. Dies lag jedoch wohl an einem "Datencrash" - siehe Kommentar unten). Hinter dem Hamburger Start-up stehen eine Beteiligungsgesellschaft sowie Privatinvestoren. Ob und welche Verbindung es zu Burda gibt - unklar. Smash-24/7-Geschäftsführer Kaspar Neftel war bisher nicht zu erreichen.

Für Burda wäre "Chatter" nach dem Launch von "Mein Schönes Land", "Donna" und "Alley Cat" sowie dem geplanten Schnittmusterheft "Easy" der fünfte neue Titel in kurzer Zeit.

Interessant ist auch der Blick auf ein ähnliches Projekt der WAZ-Gruppe: Die Magazinsparte des Essener Medienkonzerns (Zeitschriftenchef ist der frühere und jahrzehntelange Bauer-Geschäftsleiter Manfred Braun) hatte im vergangenen Sommer ein fotogesteuertes People-Blatt namens „Talk to Go" in Ballungsräumen getestet. Seitdem hat man wenig davon gehört - nur, dass weiter entwickelt werde.

Nun weiß man, dass Braun sein WAZ-Magazinportfolio gerne erweitern möchte, und dass er ganz generell in diesen Zeiten Kooperationen zwischen Verlagen befürwortet. Und dass die Verbindungen zwischen WAZ und Burda recht gut sind - etwa über die gemeinsame Vertriebstochter MZV. Und dass die WAZ-Gruppe ihre Launch-Ressourcen durch den Rückzug vom einst geplanten Aust-Nachrichtenmagazin ordentlich geschont hat. Man kann also jene Beobachter verstehen, die spekulieren, dass es sich bei „Talk to Go"/„Chatter" um ein und dasselbe Gemeinschaftsprojekt von Burda/WAZ handeln könnte. Wie gesagt, dieser Part ist eine reine Spekulation. "Die WAZ-Gruppe kennt das beschriebene Projekt nicht und kann sich daher dazu nicht äußern", so ein Verlagssprecher auf Anfrage. Und "Talk to Go"? Zu eigenen Entwicklungsprojekten nehme man generell keine Stellung. rp
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