CLT-Ufa/Pearson soll noch im Sommer an die Börse gehen

Mittwoch, 17. Mai 2000

"Wir sind nicht nur die Nummer 1, wir verdienen auch Geld damit", sagte Didier Bellens, Vorstandvorsitzender der CLT-Ufa auf der Bilanzpressekonferenz des Medienkonzerns in Luxemburg. Für das vergangene Geschäftsjahr legte Europas grösstes Radio- und TV-Unternehmen eine Rekordbilanz vor. Drei Jahre nach dem Zusammenschluss von CLT und Ufa liegt das Nettoergebnis der Gruppe, die in Kürze mit Pearson TV fusioniert wird, bei 415 Millionen Euro. Das operative Ergebnis beträgt 152 Millionen Euro. Mit einem konsolidierten Umsatz von 3,3 Milliarden Euro (plus 5 Prozent) liegt die CLT-Ufa in Europa jetzt gleichauf mit Canal plus (3,3) und vor Kirch Media, die es inklusive der Pro-Sieben-Gruppe auf 3,1 Milliarden bringt. Auch im ersten Quartal 2000 ist der Trend positiv: Die CLT-Ufa erzielte hier ein nicht testiertes Nettoergebnis von 62 Mio Euro gegenüber 25,9 Mio Euro im Vorjahr.

Hauptverantwortlich für das Ergebnis sind die Free-TV-Aktivitäten der Gruppe mit 287 Millionen Euro 1999 (EBIT). Umsatzträger Nr. 1 ist RTL in Deutschland mit 198 Millionen Euro (plus 18 Prozent) EBIT 1999, sowie das französische M6 mit 130 Millionen Euro (plus 23 Prozent) Ebit 1999. Aber auch RTL 2 konnte ein kräftiges Plus auf 35 Millionen Euro (plus 177 Prozent) erzielen, dass in diesem Jahr dank Big Brother auf bis zu 80 Millionen ansteigen soll. Bei Vox ist in diesem Jahr der Break Even angepeilt, ebenso bei Channel 5 in England und RTL Klub in Ungarn. Mittelfristig sei es das Ziel die Umsatzrendite im Konzern von derzeit rund 15 Prozent auf 20 Prozent im Durchschnitt zu heben, sagte Bellens. Bei RTL soll die Umsatzrendite schon in diesem Jahr von 16,7 Prozent auf nahezu 20 Prozent steigen. Dazu sollen weitere Synergien in der deutschen Senderfamilie genutzt werden. Bisher hat RTL bereits für rund 100 Millionen Mark Programm an RTL 2 und Super RTL verkauft. Die Primetime von Super RTL wird komplett vom grossen Bruder zugeliefert der dafür rund 85 % der Nettowerbeerlöse in dieser Zeitschiene abkassiert. Neben der Newsproduktion für RTL 2 würde Chefredakteur Hans Mahr künftig auch gerne die Vox-Nachrichten liefern. In den kommenden Wochen werde die inhaltliche Ausrichtung von Vox innerhalb der Senderfamilie im Mittelpunkt stehen, sagteEwald Walgenbach, COO des Konzerns.

Durch den Paerson-Deal sei die Gruppe "über Nacht auch zum Content Powerhouse Nr. 1" geworden, betonte Bellens. Die Pearson-Produktionen sollen die CLT-Ufa-Sender bereichern und die Gruppe attraktiv für kreative Talente im Bereich von Produktion und Programm machen. Zudem habe das neue Unternehmen die richtige Grösse um die Geschäftstätigkeit im Rechtehandel weiter auszubauen. Um die Einkaufsmacht des Hauses auf dem internationalen Markt zu stärken wird auch an einer Koperation mit Canal plus gefeilt, das die Abnahme von Pay-TV-Rechten im Paket mit Free-TV sichern soll."Für bestimmte Rechte ist beim Filmeinkauf die Verbindung mit einem Pay-TV-Anbieter sinnvoll."

Der neue Konzern soll wenn möglich noch im Sommer an der Londoner Börse notiert werden. Zunächst werden 11 Prozent an der Börse platziert, später soll der Streubesitzanteil auf 15 Prozent erhöht werden. Künftig geht es vor allem um die Ausbau des europäischen Geschäfts. In Spanien soll der Anteil an Antena 3 aufgestockt werden. Auch an 100 Prozent an Channel 5 sei man interessiert. Im zweiten Schritt soll die Produktionstätigkeit in den USA erweitert, die Coproduktionen ausgebaut und der Rechtehandel gestärkt werden. Auch im Online-Bereich habe die neue Gruppe deren Name noch nicht endgültig feststeht, aber sicher das Kürzel RTL beinhalten soll, "alle Karten für ein erfolgreiches Spiel in der Hand", sagte Ewald Walgenbach. Mit insgesamt 130 Millionen Page Impressions seien Marken wie RTL und M6 und Channel 5 bereits jetzt marktführend unter den TV-Konzernen. Das Internetbusiness um RTL New Media soll neben TV, Radio, Content zur vierten tragenden Säule des Unternehmens ausgebaut werden. Webvertising, die Werbung in den Internetangebote, sowie strategische Beteiligungen und E-Commerce sollen das Internet zum profitablen Geschäft machen. Auch das Going public von RTL New Media ist anvisiert. Eine Entscheidung über den genauen Zeitpunkt sei jedoch laut Walgenbach noch nicht gefallen.
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