CEO Schmidt: Google startet Live-Übersetzung für das Handy

Dienstag, 07. September 2010
Eric Schmidt: "Computer helfen uns besser zu denken"
Eric Schmidt: "Computer helfen uns besser zu denken"

Während Google hierzulande vor allem mit der Debatte um Street View von sich reden macht, nutzt CEO Eric Schmidt die Gelegenheit, um auf der IFA in Berlin die neusten Spracherkennungsfeatures für Smartphones vorzustellen. Die Einführung eines Live-Übersetzungsdienstes sei "Geschichte. Darauf haben die Menschen seit 50 Jahren gewartet", sagte er bei der Präsentation auf der IFA. In den nächsten Monaten will Google in den USA mehrere Anwendungen im Bereich Spracherkennung starten. So sollen SMS künftig gesprochen und vom Smartphone erkannt, in Textform transferiert und versendet werden. Telefonverbindungen werden auf Basis eines gesprochenen Befehls aufgebaut. Das Navigationssystem soll sogar nach einer kryptischen Aufforderung wie "Führe mich zu dem Museum mit dem ägyptischen Zeug" richtig zum Pergamon-Museum in Berlin führen können. 

Besonders stolz ist Schmidt auf den Live-Übersetzungsdienst. Im so genannten Conversation Mode werden einfache Gespräche satzweise übersetzt, wenn auch noch mit sprachlichen Mängeln. So wäre zum Beispiel ein Schuh-Kauf in fernen Ländern leichter abzuwickeln. "Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen, können in Kontakt zueinander treten", sagt Schmidt. Wann die Anwendungen auch in Europa eingeführt werden, ist unklar. Dafür steht noch kein Zeitplan.

Für Schmidt ist die Einführung der Smartphones die wahre Revolution dieses Jahrzehnts. "Mobile First" laute derzeit die Devise der Programmierer. "Smartphones haben jetzt soviel Kraft. Sie sind ein Super-Computer in ihrer Tasche", sagte Schmidt. Um rund 50 Prozent sei die Suche auf den Geräten allein im 1. Halbjahr 2010 in die Höhe geschnellt. 

"Wir werden jetzt ein neues Zeitalter sehen, in dem die Computer für uns arbeiten", kündigt Schmidt nicht ohne eine gehörige Portion Pathos an. Die Entwicklung einer Art künstlicher Intelligenz, die die Menschen im Alltag unterstützt, gehe rasant vorwärts. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung, eine Kirche zu fotografieren, die Google erkennt und zu deren Geschichte es in Echtzeit Informationen liefert. Solche Anwendungen werden in den nächsten Monaten schnell zunehmen. Google arbeite zum Beispiel daran, zu erkennen, was die Nutzer wirklich interessiert. Dass zum Beispiel hinter der Frage "Wie wird das Wetter" die Frage steht, "Muss ich die Blumen gießen?"

"Computer helfen uns besser zu denken", so Schmidt. Künftig werde man beispielsweise nichts mehr vergessen, weil der Computer sich erinnert. "Computer werden gut in dem sein, in dem wir nicht gut sind." Schmidt glaubt, dass diese radikale technologische Veränderung der Welt alle Schichten erfast. "Das ist eine Zukunft für jeden. Nicht nur für die Eliten. Die Technik wird für jeden verfügbar sein".

Schmidt hat zudem einige Einblicke in Google TV gegeben, das in den nächsten Monaten in den USA startet. Ein Geschäftsmodell für den Dienst, der Web und TV verbindet, gibt es noch nicht. Doch das beunruhigt ihn nicht: "Wir lösen erst ein Nutzerproblem und machen uns dann Gedanken um das Businessmodell", gibt er sich gelassen. "Wenn es erst mal Millionen User gibt, werden wir auch eine Möglichkeit finden, damit Geld zu verdienen." Google TV wird auf Fernsehgeräten von Sony verfügbar sein, der PC-Zubehörhersteller Logitech entwickelt für Google TV Hardware wie Fernbedienungen, Kameras und eine Set-Top-Box. Mit einem Knopfdruck kommt der TV-Zuschauer auf einen Suchschlitz, in dem er angeben kann, was er sucht. Je nach Bedarf liefert Google gefundene Bewegtbilder zum Thema oder leitet auch direkt ins Internet weiter. Der Dienst verfügt zudem über einen Lean-Back-Modus, der dem Nutzer verschiedene Formate nach Genres sortiert zur Auswahl stellt. Die Apps für Google TV sollen parallel starten. pap
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