Burson-Marsteller: Agentur sollte Google mies machen

Donnerstag, 12. Mai 2011
Facebook-Boss Mark Zuckerberg
Facebook-Boss Mark Zuckerberg

Der harte Kampf um Internet-Nutzer und Werbeumsätze wird nicht immer mit offenen Karten geführt. Nun wurde bekannt: Facebook hat Burson-Marsteller angeheuert, um Negativ-Schlagzeilen über Google zu produzieren. Dass man mit schmutzigen Tricks und möglichst listenreich seinen Gegner besiegen soll, gehört seit Jahrhunderten zum Selbstverständnis im chinesischen Kulturkreis. Offensichtlich haben die kalifornischen Sunnyboys von Facebook die 36 Strategeme genauesten studiert und sich entschieden, Strategem Nummer 20 zum Einsatz zu bringen: „Das Wasser trüben, um die Fische zu ergreifen". Im Klartext: Burson-Marsteller wurde von Facebook heimlich beauftragt, Negativ-Stories über Google lancieren. Dabei sollten, berichtet Adweek, insbesondere zwei Aspekte für entsprechende Schlagzeilen sorgen: Zum einen die Vermutung, dass die Social-Network-Aktivitäten von Google die Datenschutz-Richtlinien der USA missachten. Zum anderen der Verdacht, dass Googles Social Circle unberechtigterweise auf Daten von Facebook-Nutzern zurückgreift.

Dumm gelaufen

Der Burson-Facebook-Skandal zeigt exemplarisch, wie man nicht versuchen sollte, Blogger und Presse vor den Karren des eigenen Klienten zu spannen. So  war die Agentur unter anderem an den Tech-Blogge Chris Soghoian herangetreten, um auf dessen Blog eine Anti-Google-„Exklusivgeschichte" zu lancieren. Doch Soghoian publizierte nicht das Burson-Machwerk, sondern den Mailverkehr mit der Agentur. Wer nachlesen will: BITTESCHÖN.

Entsprechende Gerüchte waren bereits am Dienstag in der US-Presse aufgetaucht, zunächst aber sowohl von der Agentur als auch von sämtlichen üblichen Verdächtigen (Apple, Microsoft, Facebook) dementiert worden. Nun erfolgte das kleinlaute Eingeständnis von Burson und Facebook. Peinlich, peinlich.

Burson-Marsteller ist eine der weltweit größten PR-Agenturnetworks und gehört zu Martin Sorrells WPP-Imperium. Zu den Kunden gehörten oder gehören Unternehmen wie Coca-Cola, McDonald's, Procter & Gamble und viele andere . Facebook hingegen möchte sich in der Öffentlichkeit als vertrauenswürdiges Unternehmen präsentieren. Damit dürfte es aber langsam vorbei sein.

Die Skandalgeschichte zeigt, mit welch harten Bandagen der Kampf um Konsumenten und Werbekunden derzeit ausgetragen wird. Noch ist Google der unumschränkte globale Player auf dem Online-Werbemarkt. Doch Facebook ist mit über 600 Millionen Mitgliedern im Rücken dabei, dem Giganten Paroli zu bieten. Der Werbeumsatz von Facebook, so schätzt das Londoner Marktforschungsinstituts Enders Analyst, wird in diesem Jahr von  1,8 Milliarden Dollar auf 3,5 Milliarden Dollar explodieren. Ein Plus von 95 Prozent - da dürfte auch der eine oder andere Google-Manager blass um die Nase werden: Nicht unbedingt wegen der absoluten Zahl - mit Search setzt Google auch weiterhin viel, viel mehr um. Entscheidender ist: Googles-Display-Bereich wird dieses Jahr nur von zwei Milliarden Dollar auf rund 2,6 Milliarden Dollar steigen. Noch bemerkens- oder bedenkenswerter ist - ja nach Standpunkt - die Geschwindigkeit, mit der Facebook seine Mitgliederzahl auf dem Werbemarkt kapitalisiert - trotz permanenter Diskussionen über Datenschutz, fehlenden Standards für Werbe-Effizienz und -Effektivität. vs
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