"Burn after Reading": Die späte Rache der "FTD" am Anzeigenmarkt

Freitag, 07. Dezember 2012
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Am 23. November wurde das Ende der "Financial Times Deutschland" öffentlich verkündet. Bis zur finalen Ausgabe am 7. Dezember hatten die Werbekunden also genug Zeit, um ihre letzten Anzeigen für das Wirtschaftsblatt zu konzipieren. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Am sehenswertesten jedoch ist, wie die "FTD" selbst ihre Beziehung zum Anzeigenmarkt verarbeitet.
Beide - die Zeitung und der Markt - hätten trotz hoher Erwartungen "weitgehend teilnahmslos nebeneinanderher" gelebt, heißt es in der Abschiedsausgabe. Man könne sich die Anzeigen ja nicht backen, habe es in der Vergangenheit oft geheißen. Von wegen: "Zum Abschied kondolieren wir uns mit Anzeigen anderer großer Pleitiers, die selbige nicht mehr schalten können, aber hätten schalten sollen", schreibt die "FTD" trotzig und will damit letztendlich zumindest den moralischen Sieg über einen Markt erringen, der ihr letztendlich mit den Garaus machte.

Sehen Sie auf den folgenden Seiten die gefakten sowie die echten Abschieds-Anzeigen aus der "FTD" von 7. Dezember 2012.

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Die Schlecker-Pleite war - neben "FTD", "FR" und Neckermann - die wohl meistbeachtete Insolvenz eines deutschen Unternehmens in diesem Jahr. Über 13.000 Angestellte verloren ihren Job - das Schicksal der "Schlecker-Frauen" beschäftigte anschließend ganz Deutschland. Die "FTD" hat zumindest für eine von ihnen wieder einen Job: Sie kann beim Einpacken helfen.
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Die Insolvenz des Luftschiff-Herstellers Cargolifter in Jahre 2002 ging ebenso in die Annalen der spektakulären Unternehmenspleiten ein. Unter anderem deshalb, weil von dem Unternehmen ein bizarres Überbleibsel vor den Toren von Cottbus blieb: Die Luftschiffhalle mit dem Namen Aerium gehört zu den größten frei tragenden Hallen der Erde. Heute beheimatet sie die Erlebnisbad-Landschaft Tropical Islands. Das hämische Motiv, das die "FTD" für ihre Abschiedsausgabe zusammengebastelt hat, erinnert an den Absturz des deutschen Zeppelins "Hindenburg" im Jahre 1937.
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Als am 15. September 2008 die Investment-Bank Lehmann Brothers Insolvenz anmelden musste, waren die Folgen für die USA und die Welt dramatisch. Natürlich war die epochale Pleite auch in der "FTD" ein Thema: So berichtete die Zeitung Mitte September 2009, dass Lehmann einen Schuldenberg von 200 Milliarden Dollar hinterlasse. Angesichts der knapp 250 Millionen Euro Miese, die die "FTD" in den Jahren ihrer Existenz angeblich gemacht hat, geradezu ein Klacks. Davon erzählt die hübsche Anzeige in der letzten Ausgabe.

Wehmütig: Die Hessische Landesbank

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Minimalistisch: Die Commerzbank

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Zukunftsorientiert: Die VWD-Group

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Traurig: DWS

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Dankbar: Der Service-Bund

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