Burda-Xing: Von wegen "lousy pennies"

Donnerstag, 19. November 2009
Hubert Burda landet Überraschungscoup
Hubert Burda landet Überraschungscoup

Hubert Burda ist ein schlauer Fuchs. Die Beteiligung an Xing macht für beide Unternehmen Sinn. Es gibt Sprüche, die gehen in Jahrbücher ein, in die ewige Bestenlisten, ins kollektive Gedächtnis von Journalisten wie von Bloggern gleichermaßen. Hubert Burdas Aussage "You get lousy pennies on the web"  gehört dazu.  Geäußert Ende Januar auf dem Burda-Kongress DLD,  wird er seitdem in Feuilletons, Blogs und Podiumsdiskussionen immer dann aus dem Phrasenschrein geholt, wenn sich jemand bemüßigt fühlt nachzuweisen, wie verzweifelt die Verlage ob ihrer Internet-Aktivitäten seien und wie schwarz maßgebliche Protagonisten die Zukunft ihres eigenen Wirtschaftszweigs sehen.

Dass Burda seinerzeit lediglich dem common sense Ausdruck verliehen hat, dass die Vermarktung der Online-Ableger von Printtiteln schwierig ist und bleiben wird, wird gerne übersehen. Genauso wie die Tatsache, dass maßgebliche deutsche Medienhäuser - Axel Springer, Holtzbrinck und Burda - mit ihrer Internet-Strategie längst nicht so hinter dem Mond und von vorgestern sind, wie das die Kritiker der vermeintlich so toten Holzindustrie permanent behaupten.

Blödsinn wird nicht deshalb intelligenter, weil man es mantraartig jeden Tag seiner Gemeinde von neuem vorbetet.

Das Geschäftsmodell von Print steht  im wesentlichen auf zwei Beinen: Anzeigen und Vertrieb. Die Internet-Strategie der meisten Medienhäuser kommt tausendfüßlerisch daher. Das mag den einen oder anderen Beobachter verwirren,  macht aber Sinn, weil klassische Online-Werbung und Paid Content die Umsatzrückgänge in Print nicht werden ausgleichen können.

200 Millionen Euro setzt das Axel-Springer-Affiiliate-Netzwerk Zanox in diesem Jahr um, 2004 waren es noch schlappe 6,5 Millionen Euro. Zanox, schreibt die Kollegin Bettina Neises in HORIZONT 47/09, ist eines der „Lieblingskinder von Mathias Döpfner". Recht hat sie. Auch die Übernahme der Jobbörse Stepstone zeigt, dass das Internet-Geschäft für Axel Springer mehr ist als Bild.de. Ähnliches gilt für Holtzbrinck, das jüngst sein „Handelsblatt" crossmedial neu aufgestellt hat. Die Partnerbörse Parship bereitet dem Stuttgarter Unternehmen auch viel Spaß. (Auf jeden Fall mehr als StudiVZ ,wobei hier noch gar nicht erwiesen ist, dass die Übernahme des Networks ein totales Debakel war.)

Nun also Burda und Xing. "Fangt an zu beten, dass das Burda-Management sich nicht zu sehr für Eure Arbeit interessiert." Der überhebliche Rat des Ex-"Handelsblatt"-Autors Thomas Knüwer an das Xing-Management ist ein typisches Beispiel für die oben erwähnten Mantra-artigen Gesänge der kritischen Kritiker. Hier wird vor allen Dingen das Vorurteil geplegt, Verlage seien Versager, wenn es um Internetaktivitäten geht. Dass die Tochter Burda Digital längst Erfahrungen im Umgang mit Web-Beteiligungen hat, wird gerne übersehen. Beispielsweise Holidaycheck.de. Auch dieses Unternehmen gehört zu Burda. Es ist erfolgreich, von einer störenden Einflussnahme des Burda-Managements ist nichts bekannt.

Der Burda-Xing-Deal ist für beide Seiten ein gutes Geschäft. Burda verschafft sich den Eintritt in den lukrativen Business-Network-Bereich. Xing ist eine der wenigen deutschen Erfolgsstorys im Netz, macht Gewinn und hat bislang seine Position gegenüber vermeintlich übermächtigen Gegnern wie Linkedin und Facebook abgewehrt. Und mit dem Burda-Imperium im Rücken verschafft sich das Unternehmen um den CEO Stefan Groß-Selbeck viele wichtige Standbeine im Printmarkt - auch hier wird sich die Tausenfüßler-Strategie auszahlen. Lousy pennies? Von wegen. vs
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