Burda: "Bedeutung der deutschen Fachpresse für die deutsche Wirtschaft wächst täglich"

Donnerstag, 07. Mai 1998

"Der deutsche Fachzeitschriftenmarkt ist nach Anzahl der Titel der größte der Welt", sagte Klaus Kottmeier, Sprecher der Deutschen Fachpresse, auf dem traditionellen Kongreß im Wiesbadener Kurhausund zeigte sich über den Gesamtumsatz von erstmals mehr als vier Milliarden Mark 1997 sichtlich zufrieden. Zudem sei der Informations- und Medienwettbewerb auch weiterhin gewährleistet. Verleger und VDZ-Präsident Dr. Hubert Burda manifestierte die Fachpresse anschließend als einen wichtigen Bestandteil der Medienlandschaft. Der Zugriff auf tiefe und qualifizierte Fachinformation werde zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor innerhalb der neuen Ökonomie. "Aufmerksamkeit ist in der Medienüberflutungsgesellschaft das knappste Gut." Burda weiter: "Die Medien werden eine entscheidende Rolle auf dem Weg in die Wissensgesellschaft haben. Sie liefern den Rohstoff Information. Die Digitalisierung stärkt dabei die zentrale Rolle der Zeitschriften als ordnende Kraft inmitten einer Welt grenzenloser Datenströme. Und die Bedeutung der deutschen Fachpresse für die deutsche Wirtschaft wächst täglich." Der VDZ-Präsident hob auch die Bedeutung des Internet hervor. Gerade in den Bereichen Bildung und Wissen, Fortbildung und Wissenstransfer könnten die Fachzeitschriften ihre gedrucktenMedien mit innovativen Web-Auftritten sinnvoll und wirksam ergänzen. Die Zukunft liege in sogenannten Virtuell communities. Burda rief zum Handeln auf: "If you don”t turn a customer into your virtuell community, somebody else will do it. Nicht der Große schluckt den Kleinen, sondern der Schnellere den Langsamen." Dabei gebe es natürlich Fehlinvestitionen: "Wir haben auch Fehler gemacht, aber jeder dieser frühen Fehler war von unendlichem Wert, das spart sehr viel Geld." Medien seien der Wachstumsmotor in Europa, "da haben wir Zeitschriftenmacher in Verbindung mit Online die besten Möglichkeiten". Die künftige Rolle der Online-Kommunikation auch für die Printprodukte der Fachverlage machte unter anderem Brita Westerholz, VDZ-Arbeitsgruppe Online-Publishing und beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt für die Gesamtleitung DFV New media verantwortlich, deutlich: "Die Internetpräsenz nutzt der Auflage." Dennoch dürfe man die Augen nicht davor verschließen, daß langfristig auch Kanibalisierungseffekte für den einen oder anderen Titel zu erwarten seien. Wie professionelle Online-User der Informationsflut im Internet Herr werden können, zeigte Frank Mirko Meurer, BauNetz, Berlin, auf. Sein Lösungsansatz sind Plattformkonzepte als Community organizer. Auch für Peter Kabel, Kabel New Media in Hamburg, ist Community einer der wichtigsten Begriffe im Online-Business. Häufigster Fehler der Verlage sei es, den Web-Auftritt nur halbherzig durchzuführen. Zum Thema "Markenpolitik bei Zeitschriften - ,Der Spiegel” als Dachmarke" referierte Werner E. Klatten, Leiter Spiegel-Geschäftsbereich Märkte und Erlöse. Er belegte die Bedeutung aktiver Markenführung in der Verlagslandschaft und ihre Spezifika. Medienhäuser funktionierten wie kommerzielle Unternehmen und die Markenführung werde zum Tagesgeschäft, sagte Klatten: "Die Medienangebote werden mehr und mehr als Marken begriffen, in denen der wirkliche Wert der Unternehmungen steckt." Doch der Entwicklungsprozeß ist noch längst nicht abgeschlossen. "Das Bewußtsein, den Markenartikel Zeitschrift als wertvolles Gut zu verstehen, ist zwar vorhanden, doch größtenteils nur diffus. Die Vorstellung, vermarktet zu werden wie ein Waschmittel, löst in den Redaktionen häufig noch ein nacktes Grauen aus." Wie schwerMarkenführung sein kann, machte auch Dr. Klaus Brandmeyer, Mitbegründer des Instituts für Markentechnik in Genf, deutlich: "Markensysteme sind intolerante Systeme, sie dulden vieles nicht."
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