Bundesliga-Rechte: Nach dem Deal ist vor dem Deal

Donnerstag, 18. Oktober 2012
Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt
Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt


 Woher kommen eigentlich die riesigen Summen, die nach dem Mega-Deal bei der Vergabe der Bundesliga-Medienrechte insbesondere Sky ab dem kommenden Jahr an die Deutsche Fußball Liga abführen muss? Diese Frage wurde auf dem Podium bei den 18. Deutschen Sponsoringtagen nicht zum ersten Mal gestellt. Sie ist jedoch immer noch hoch aktuell. Eines gleich vorweg: Eine konkrete Antwort blieb aus. Was Podiumsteilnehmer Carsten Schmidt, Vorstand Sport, Sales und Advertising bei Sky, jedoch nicht müde wurde zu betonen: Der Schlüssel zum Erfolg ist Innovation. Das wird auch nötig sein, denn schon jetzt scheint die nächste Rechtevergabe ihre Schatten voraus zu werfen. Nach all den Diskussionen, die im Vorfeld der diesjährigen Rechtevergabe über neue Medien und die Bedeutung von Web und Mobile geführt wurden, zeigte sich Ledavi-Chef Oliver Kaiser vom Ausgang des Prozesses ein wenig enttäuscht: Ein Sieg der „Old Economy“ sei das gewesen, „ein großer Schritt für den Geldbeutel, ein kleiner für die Innovation.“ Gleichwohl gingen die mit Zuschlägen bedachten Unternehmen mit ihren Rechten erfreulicherweise zunehmend innovativ um, so Kaisers Urteil. Eine Vorlage, die Schmidt gerne annimmt: Den Nutzer auf allen Kanälen zu erreichen, ist der Weg zur Wirtschaftlichkeit. So sei mit den neu hinzugewonnenen Mobile-Rechten viel möglich, etwa reguläre Sky-Abonnements sowie Aufnahmefunktionen für mobile Endgeräte.

Die Podiumsdiskussion auf den Sponsoringtagen
Die Podiumsdiskussion auf den Sponsoringtagen
Damit war das Stichwort gefallen: Der Einstieg von Internetplayern in die Bundesliga-Berichterstattung ist in diesem Jahr noch größtenteils ausgeblieben. Zwar bedeutet der Erwerb von Online-Highlightrechten durch Axel Springer so etwas wie eine Mini-Revolution, sei derzeit jedoch höchstens eine „interessante Ergänzung“ (Oliver Kaiser). Viel mehr schwebten Namen wie Google, Yahoo und sogar Apple stets wie Damoklesschwerter über dem Podium. Und Marcus John, weltweiter Sportchef der Mediaagentur Mediacom, konnte den Podiumsgästen nicht wirklich Hoffnung machen, dass die finanzstarken IT-Konkurrenten die Füße künftig still halten würden: Amerikanische Unternehmen seien mit Millionen-Ausgaben auf anderen Kontinenten erfahrungsgemäß zurückhaltend, Investitionen in maßgeschneiderte Produkte statt in große Rechtepakete habe jenseits des großen Teichs Priorität. Doch dann kommt das große Aber: „Google und Yahoo haben nun einmal eine sehr große Kriegskasse.“

Heißt das nun, Sky muss vor den beiden genauso zittern wie die ARD? Keineswegs, versichert Schmidt: „Das Live-Erlebnis wird der Kern des Fußballschauens bleiben.“ Vor dem Einstieg der Internet-Player und den daraus eventuell resultierenden Auswirkungen auf die Highlight-Berichterstattung müsse sich eher die ARD fürchten. Deren Sportchef Axel Balkausky zeigt sich jedoch entspannt: „Die Sportschau hat sich als sehr stabiler Faktor erwiesen.“ Kaum ein Format könne so viele Menschen an die Bundesliga heranführen wie die ARD-Sendung.

Wie auch immer die Unternehmen heißen werden, die künftig den Markt der Sportberichterstattung unter sich aufteilen, ein gemeinsames Vorbild gibt es bereits, merkt Kaiser an: „Wem es wie Apple gelingt, ein perfektes Produkt und perfekten Vertrieb zu kombinieren, der wird auch den Sportmarkt revolutionieren.“ ire
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