Buchholz wünscht Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Printprodukte

Montag, 16. November 2009
Bernd Buchholz
Bernd Buchholz

Auch ein ehemaliger FDP-Politiker und heutiger Verlagschef will staatliche Hilfe - allerdings eher durch aktiven Rückbau des Staatsanteils an seinem Geschäft. "Ich würde den Wegfall der Mehrwertsteuer auf Printprodukte sehr begrüßen - das wäre die größte Aktion zur Leseförderung überhaupt", sagte Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz auf den VDZ-Zeitschriftentagen in Berlin. Andere staatliche Hilfen, etwa aktive Subventionen, wollten die Verlage aber nicht. "Wir wollen nur unser Geschäft in Ruhe betreiben, ohne dass man uns die Gabel verbiegt", so Buchholz auch mit Blick auf weitere Werberestriktionen und neue Zwangsangaben in der Werbung.

Er kritisierte das Menschenbild mancher Politiker, wonach Verbraucher angeblich nicht in der Lage seien, sich eigenständig zu informieren. Klassische Werbung jedenfalls sei nicht das richtige Forum, negative Produktaussagen zu transportieren. "Wenn Sie heute Abend an der Bar um eine junge Dame werben, werden Sie ja auch nicht zuerst auf Ihre Nachteile hinweisen", rief Buchholz ins Publikum, wohl mit Blick auf die Publishers's Night am Abend. Widerspruch in Sachen Mehrwertsteuerwegfall erntete Buchholz ausgerechnet von Karl-Ludwig Kley, Chef des Chemieriesen Merck - und einer der Aufsichtsräte von G+J: "Ich halte nichts von Ausnahmen im Steuerrecht."

Zudem blickte Buchholz aufs Jahr 2010: Die erste Hälfte werde noch "durchwachsen", aber alle Beteiligten sähen mittlerweile die Bodenbildung. "Die Verlage werden wieder Wachstumsraten sehen - aber nicht mehr aufs frühere Umsatzniveau zurückkehren", so Buchholz. Die Verlage hätten noch nicht auf alle Herausforderungen des medialen Strukturwandels fertige Antworten gefunden. Aber trotz allem: "Wir glauben an die Zukunft unseres Kerngeschäfts mit profitablen, gedruckten Zeitschriften." Den aktuellen Streit mit manchen G+J-Redaktionsbeiräten um den Umbau- und Sparkurs des Verlags kommentierte Buchholz nur am Rande: Es gebe durchaus kontroverse Diskussionen, und dabei "rauche es eben auch mal". rp
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