Buchholz rüffelt Betriebsräte

Dienstag, 13. Januar 2009
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Der neue Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz greift in die Diskussion über den Umzug der Kölner („Impulse", „Capital") und Münchner („Börse Online") Wirtschaftsredaktionen nach Hamburg ein - mit einem Brief an die Betriebsräte. Darin bezieht er sich auf einen de facto öffentlich geführten Briefwechsel zwischen den Mitarbeitervertretern und Bertelsmann-Vorstands- und G+J-Aufsichtsratchef Hartmut Ostrowski. In seinem Brief kontert Buchholz die Vorwürfe der Betriebsräte: Dass derzeit noch unklar sei, welche Kollegen welche neuen Jobangebote in Hamburg annehmen, „dürfte für Sie als Betriebsräte nicht verwunderlich sein: Ihnen sind die Fristen zur Anhörung bekannt, und Sie selbst haben ... darauf gedrängt, dass vor Abschluss der Bewerbungsfrist keine Verträge geschlossen werden, damit das Bewerbungsverfahren transparent bleibt. Insofern wissen Sie, dass das Rekrutierungsverfahren in diesen Tagen erst in die konkrete Phase geht", so Buchholz. Vor diesem Hintergrund sei auch die Behauptung, alle Bewerber würden zu deutlich schlechteren Konditionen eingestellt, nicht nachvollziehbar.

Auch die betriebsrätliche Wahrnehmung, den Kollegen könne noch nicht einmal „mit Anstand gekündigt" werden, trüge. Die Entscheidung, die Kündigungen nicht mehr 2008 auszusprechen, obwohl alle juristischen Voraussetzungen gegeben gewesen seien, „entsprang vielmehr sozialen Erwägungen", so Buchholz: „Dass Sie dies jetzt gegen uns wenden ..., empfinde ich als sehr bedauerlich."

Zudem hält Buchholz den Betriebsräten die Öffentlichmachung ihres Briefes vor: „Das lässt mich daran zweifeln, ob Sie einen vertrauensvollen Austausch" mit Ostrowski und ihm wollten. Und einmal mehr bezeichnet Buchholz den Umbau als „unter ökonomischen wie publizistischen Gesichtspunkten entscheidende und alternativlose Weichenstellung". Dies sei die „einhellige Meinung von Management, Vorstand und Gesellschaftern". Er selbst sei „jederzeit und umfassend" über den Stand der Dinge unterrichtet; Verlagsgeschäftsführerin Ingrid Haas und Ober-Chefredakteur Steffen Klusmann genössen sein „volles Vertrauen". Im Übrigen seien sich Management, Vorstand und G+J-Gesellschafter der „Sorgen und Nöte" der von der Umstrukturierung Betroffenen „in vollem Maße bewusst" und nähmen diese „sehr ernst".

Unterdessen beschäftigt der Umzug nach Hamburg weiterhin Teile der Mediendienste bis ins Detail: So wird etwa spekuliert, an welchem Tag genau die Betriebsstillegungen in Köln und München erfolgen könnten - am 20. März? am 31. März? -, und es wird berichtet, dass der Umzug erst nach Produktionsschluss der Hefte erfolge. Öffentlich unerörtert sind noch Fragen wie etwa die nach der Zahl der notwendigen Kartons. Und wer sie trägt. rp
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