Buchautoren werfen "Le Monde" geschönte Geschäftszahlen vor

Mittwoch, 26. Februar 2003

Die angesehene französische Tageszeitung "Le Monde" ist durch die Enthüllungen zweier investigativer Journalisten in Erklärungsnot geraten. Einer der Vorwürfe: Verleger Jean Marie Colombani soll systematisch die Geschäftszahlen des Verlags frisiert haben. Für das vergangene Jahr hatte "Le Monde" einen Verlust von 3,2 Millionen Euro ausgewiesen. Die Autoren des Buches "Das versteckte Gesicht von ,Le Monde'", Pierre Péan und Philippe Coen, behaupten, dass die Verluste des Verlages in Wirklichkeit viermal so hoch sind.

Auch die anderen Vorwürfe der beiden Buchautoren wiegen schwer: So werfen sie dem heutigen Chefredakteur von "Le Monde", Edwy Plenel vor, er habe in seiner Zeit als Polizeireporter gleichzeitig für seine wichtigste Quelle, den Chef der Polizeigewerkschaft gearbeitet. Außerdem soll er während des Präsidentschaftswahlkampfs 1995 den gaullistischen Premierminister Edouard Balladurs protegiert und kritische Beiträge über dessen rechts-konservativen Innenminister Charles Pasqua verhindert haben.

Die Aussagen der beiden Autoren haben Gewicht und werden ernst genommen: Pierre Jéan ist das französische Pendant zu Günter Wallraff. Er gilt als der renommierteste investigative Journalist Frankreichs und hatte unter anderem die Verstrickung von Francois Mitterand mit dem Vichy-Regime aufgedeckt.

Colombani und Plenel sollen den Redakteuren, die 30 Prozent an dem Verlag halten, auf einer außerordentlichen Vollversammlung Rede und Antwort stehen. Die beiden Beschuldigten weisen indes alle Vorwürfe von sich. In einer im Internet und in "Le Monde" veröffentlichten Stellungnahme spricht Chefredakteur Edwy Plenel vom "Hass" der Autoren auf "Le Monde" und kündigt rechtliche Schritte wegen Verleumdung an. sch
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