Buch.de übernimmt deutschsprachige Angebote von BOL

Freitag, 22. November 2002
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Die Gerüchte um den Verkauf von BOL an den Wettbewerber Buch.de haben sich am heutigen Freitag bestätigt. Das in Münster ansässige Unternehmen hat angekündigt, den Kundenstamm von BOL in Deutschland, der Schweiz und Österreich inklusive aller Markenrechte sowie die jeweiligen Internet-Domains BOL.de, BOL.ch und BOL.at zu übernehmen.

Zur Kaufpreisfinanzierung will das börsennotierte Unternehmen neue Aktien in Höhe von 25,1 Prozent des erweiterten Aktienkapitals aus einer bereits genehmigten Kapitalerhöhung ausgegeben. Diese gehen direkt in den Besitz der Direct Group Bertelsmann über, die derzeitige Muttergesellschaft von BOL. Damit wird Bertelsmann zum zweitgrößten Aktionär der Gesellschaft. Die Douglas Holding bleibt über die im stationären Buchhandel tätige Thalia Holding mit rund 32 Prozent der größte Anteilseigner von Buch.de. Zusätzlich erhält die Direct Group Bertelsmann eine Barkomponente in Höhe von 800.000 Euro.

Der Deal wird bereits in Kürze über die Bühne gehen: Bereits ab Anfang Dezember 2002 sollen die Internet-Auftritte von BOL in Deutschland, der Schweiz und Österreich von Buch.de betrieben werden. Trotz der Übernahme wird es laut Direct Group Bertelsmann bei der angekündigten Schließung des Münchner Standortes von BOL bleiben. Für die Kunden von BOL soll sich jedoch nichts ändern, da die bestehenden Online-Angebote erhalten bleiben sollen.

Albert Hirsch, Vorstand bei Buch.de, bewertet die Transaktion als Weichenstellung für die Zukunft: "Mit der Übernahme des BOL-Internetauftritts werden wir die eindeutige Nummer zwei am deutschsprachigen Markt sein." Die 1998 gegründete Gesellschaft war eigenen Angaben zufolge zuvor drittgrößter Anbieter am Markt.

Der neue Bertelsmann-Chef Gunter Thielen hatte Anfang September angekündigt, dass das Internet in Zukunft nicht mehr zum Kerngeschäft des Medienkonzerns gehöre. Kurz darauf hatte Gütersloh beschlossen, sich von dem defizitären Onlinehändler BOL zu trennen. Da die Verkaufsgespräche - was das Deutschlandgeschäft anbelangt - zunächst zu scheitern drohten, hatte Bertelsmann kürzlich angekündigt, BOL in Deutschland und in der Schweiz komplett zu schließen. In Schweden hat das Unternehmen ihren 50-prozentigen Anteil an der BOL-Schwester Bokus an den Joint-Venture-Partner veräußert. Über den Verkaufspreis wurde jedoch Stillschweigen vereinbart. Für die Dependance in den Niederlanden sucht Bertelsmann offenbar weiterhin nach einem Käufer.
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