Brüssel liberalisiert TV-Werbung

Dienstag, 13. Dezember 2005
Mehr Freiheiten für Sender: EU-Kommissarin Reding
Mehr Freiheiten für Sender: EU-Kommissarin Reding

Die EU-Kommission hat am Dienstag den Reformvorschlag für die Novellierung der Fernsehrichtlinie abgesegnet. Das seit 1989 geltende Regelwerk "Fernsehen ohne Grenzen" wurde auf Basis eines Themenpapiers überarbeitet, das EU-Kommissarin Viviane Reding bereits im Sommer präsentiert hat (Horizont 29/2005). Nach den Plänen der Kommission bekommen die TV-Sender mehr Freiheiten bei der Platzierung von Werbung. So soll das Blockwerbegebot entfallen - bisher dürfen Spots nur ausnahmsweise einzeln platziert werden. Außerdem könnten die Sender selbst entscheiden, wann und wie oft Programme unterbrochen werden - mit drei Ausnahmen: Filme dürfen nur einmal pro 40 Minuten unterbrochen werden, Nachrichten- und Kindersendungen nur einmal je 20 Minuten. Die 12 Minutengrenze bleibt.

Für Aufruhr bei Print-Verbänden und Verbraucherschützern sorgt die geplante Liberalisierung von Product Placement - vorausgesetzt, die Programme werden gekennzeichnet. Die Verleger fürchten die Schlechterstellung ihres Mediums gegenüber den elektronischen Konurrenten. "Allen Medien, die auf das Vertrauen ihrer Nutzer setzten", habe die Kommission einen Bärendienst erwiesen, erklärte ein Sprecher des Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin. Die TV-Vermarkter begrüßen dagegen die Pläne. Andrea Malgara, Geschäftsführer Marketing von Seven-One Media: "Unsere Erwartung ist nicht mehr Werbung, sondern die Möglichkeit, Werbung zuschauerfreundlicher einsetzen zu können." Die Liberalisierung von Placements trage zur Stärkung europäischer Produktionsunternehmen bei.

Noch ist aber nicht sicher, welche der geplanten Neuerungen umgesetzt werden. Das Papier muss noch die EU-Regierungen und das Parlament passieren. Eine Umsetzung in nationales Recht wird frühestens 2008 erwartet. he



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