"Brand Media": Jahreszeiten Verlag und Medweth-Verlage legen Vermarktung zusammen

Dienstag, 08. November 2011
Die Verleger Thomas Ganske (l.) und Christian Medweth
Die Verleger Thomas Ganske (l.) und Christian Medweth


Vermarkterfusion: Der Jahreszeiten Verlag (Jalag) in Hamburg und drei der Kleinverlage aus der Gruppe von Christian Medweth - Vision Media („Jolie"), Family Media („Familie & Co") und Madame Verlag („Madame") - legen ihre Vermarktung zusammen. Dazu gründen die Häuser eine neue Firma namens Brand Media. An dem Joint Venture ist der Jalag („Für Sie", „Petra", „Merian", „Feinschmecker", „Prinz") zur Hälfte beteiligt; die übrigen 50 Prozent hält die Medweth-Gruppe. Jalag-Verleger Thomas Ganske und sein Neu-Partner Christian Medweth werten das Vorhaben als „richtigen Schritt zur richtigen Zeit". Jalag-Geschäftsführer Jan Pierre Klage und Marie-Christine Dreyfus, Geschäftsführerin von Vision Media und Madame-Verlag, sehen die Neugründung als „adäquate Antwort der mittelständischen Verlage" auf die Konzentration auf der Werbekundenseite und ihre Forderungen nach „effizienten Angeboten". Sprich: Alleine wähnen sich die beiden Verlage als zu klein, um sich auf Dauer einen Platz in den Terminkalendern und Mediaplänen der Großkunden zu sichern. Mit der Fusion dürfte Brand Media zunächst auf Rang sechs im Bruttowerbeumsatz-Ranking der Publikumsverlage hochklettern. Durch dann zusätzliches Umsatzwachstum will man im kommenden Jahr Platz fünf erklimmen, damit ins „Relevant Set der Agenturen" (Klage) gelangen und somit Condé Nast überholen. Derzeit rangiert der Jalag alleine (Bruttowerbeerlöse 2010: rund 120 Millionen Euro) auf Platz acht; die drei Medweth-Häuser liegen addiert auf Rang zwölf.

Die Gesellschafteranteile von Brand Media sind paritätisch auf beide Verleger verteilt. Die Größenunterschiede dürften sich also im internen Verteilungsschlüssel der Kosten und Erlöse zwischen den Verlagen ausdrücken; nähere Angaben dazu machte Klage nicht.

Ab kommendem Jahr vermarktet Brand Media die 25 Titel der beiden Verlage sowie einige - nicht alle - der Digitalangebote: Die Display-Vermarktung haben der Jalag und die Medweth-Titel bisher teilweise auf externe Dienstleister verteilt, etwa G+J EMS (Prinz.de), Spiegel QC (Merian.de), Glam Media (Fuersie.de) und Interactive Media (Jolie.de). Im kommenden Jahr will man hier eine „Konsolidierung" prüfen. Mittelfristig soll die gesamte Digitalvermarktung à la Condé Nast ins Haus geholt werden.

Dennoch sieht man sich schon jetzt als Crossmedia-Vermarkter mit dem Schwerpunkt auf der Zielgruppe Frauen. Mit Blick aufs Kartellrecht - dem gesamten Vorhaben muss das Kartellamt noch zustimmen - soll es weiterhin getrennte Preislisten, Konditionen und Abrechnungen geben, aber gemeinsame kundenindividuelle Werbepakete. Für zusätzliches Mandantengeschäft sei man offen, so Klage.

Geschäftsführer von Brand Media werden Mariette Adomeit, seit September Director Media Sales beim Jalag, und Alexander Kratz, bislang Vermarktungschef bei Vision Media und „Madame". Das neue Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg soll sechs eigene Anzeigenbüros in München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, Hannover und Hamburg betreiben. In internationalen europäischen Metropolen sollen Handelsvertreter das Geschäft betreuen. Über 80 Mitarbeiter sollen für Brand Media tätig sein. Ein Stellenabbau sei nicht geplant, heißt es. Mittelfristig sei aber "nicht auszuschließen, dass aufgrund von strukturellen Veränderungen Stellen entfallen".

Die Vermarkterfusion zeigt auch: Die Medweth-Titel haben es gerade mal ein Jahr in der Alleinvermarktung ausgehalten; bis Ende 2010 hatte Axel Springer diesen Job. Hintergrund dieser Verbindung: 2009 hatte die Medweth-Gruppe die Jugend- und Familientitel sowie „Jolie“ von Springer übernommen. 2010 kaufte Medweth dann noch das Edel-Frauenmagazin „Madame“ vom Verlag Magazinpresse hinzu. rp
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