Booz & Company: Transmediale TV-Formate bringen 600 Millionen Euro Umsatz

Mittwoch, 31. Oktober 2012
Facebook-Profil von "Berlin Tag & Nacht": Medienübergreifende Formate als neue Erlösquelle
Facebook-Profil von "Berlin Tag & Nacht": Medienübergreifende Formate als neue Erlösquelle


Bis 2020 sollen in Deutschland mit transmedialen, also medienübergreifenden TV-Formaten Umsätze von bis zu 600 Millionen Euro erzielt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Booz & Company.
Danach generiert ein klassischer Fernsehzuschauer bisher jährlich etwa 10 Euro Umsatz aus Werbeeinnahmen für einen TV-Sender, wohingegen Nutzer transmedialer Medienkonzepte durch zusätzliche Umsätze aus Gaming-Angeboten und Merchandising einen Zusatzwert von 70 Prozent gegenüber TV- und Online-Werbeeinnahmen brächten. Transmediale Formate finden im konventionellen TV und parallel auf ergänzenden Plattformen wie Facebook oder Gaming-Anwendungen über mobile Endgeräte statt. Beispiele hierfür sind etwa "Berlin Tag & Nacht" (RTL 2) oder "The Voice of Germany".

Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die junge Zielgruppe: Im Jahr 2020 wird laut Booz über ein Drittel der 14- bis 49-Jährigen mehrere Medien gleichzeitig konsumieren, die Aufmerksamkeit für das klassische TV und die darin gezeigte Werbung also entsprechend sinken. Die Sender müssten sich darauf durch plattformübergreifende Angebote einstellen, sagt Sebastian Blum, Medien-Experte bei Booz & Company: "Das Storytelling muss sich von einem traditionellen linearen Ansatz hin zu einem nicht linearen entwickeln, in dem viele Geschichten parallel ablaufen."

Außerdem haben die Berater untersucht, was die Veränderungen im medialen Nutzungsverhalten der jungen Zielgruppe für TV-Nachrichten bedeuten. Zwar sei der Nachrichtenkonsum im Vergleich zum Jahr 2000 um 12 Prozent gesunken. In der Gruppe der 16- bis 34-Jährigen konsumierte jedoch eine große Mehrheit von 83 Prozent regelmäßig Nachrichten - nur nicht mehr im Fernsehen. Diese Nutzergruppe beziehe ihre Informationen aus der "Smart Cloud", bestehend aus individuell zusammengestellten RSS-Feeds, sozialen Netzwerken, E-Mails oder Online-Newsportalen, so die Analyse. Dieses Phönomen, das Booz "Informationsosmose" nennt, zieht Veränderungen für Sendeanstalten nach sich, meint Bulm: "TV-Sender müssen ihre journalistischen Inhalte adaptieren. Sonst brechen ihnen vor allem die jungen Zuschauer weg." ire
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