Börsenfrust schafft Lesemuffel

Dienstag, 11. September 2001

Die unverminderte Abwärtsbewegung an den Börsenplätzen dieser Welt hat nun auch bei den Entscheidern der Bundesrepublik zu Konsequenzen im Leseverhalten geführt. Dies belegt die aktuelle Leseranalyse Entscheidungsträger 2001. "Insgesamt beobachten wir in diesem Jahr vor allem bei den wirtschaftsbezogenen Informationsmedien eine geringere Lesenutzung", stellt der LAE-Vorsitzende Michael Walter fest. Die rund 10/000 zwischen Januar und Juni dieses Jahres durchgeführten Interviews führten demzufolge bei Tageszeitungen mit starkem Wirtschafts- und Finanzteil sowie bei Zeitschriften mit Geldanlageschwerpunkt zu Einbußen, wenngleich die direkte Vergleichbarkeit zur LAE 2000 aufgrund einer veränderten Grundgesamtheit nur bedingt statthaft scheint. So wurden in der Gruppe der leitenden Angestellten die formalen Hierarchiestufen neu zugewiesen. Darüber hinaus hat die LAE-Kommission auch das verfügbare Monatsnettoeinkommen und 500 Mark nach oben versetzt.

Dennoch sind die Veränderungen signifikant: So hat sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bei den Tageszeitungen wieder an die Spitze und vor das "Handelsblatt" setzen können, muss gegenüber dem Vorjahr aber einen Rückgang von 14/000 Lesern hinnehmen. Dieser fiel bei den Düsseldorfern mit 40/000 allerdings deutlich höher aus. Die erstmals in der LAE berücksichtigte "Financial Times Deutschland" bildet mit einem Anteil von 3 Prozent das Schlusslicht bei den Wirtschaftszeitungen.

Bei den Zeitschriften, wo LAE-Primus "Focus" genauso zulegt wie die direkten Konkurrenten "Spiegel" und "Stern" sind bei der LAE 2001 vor allem "Capital", "Börse Online" (minus 8000 Leser) und "DM" (minus 29/000 Leser) vom Aktienkrimi tangiert. Während Gruners "Capital" nach einem kräftigen Rückgang von 112/000 Lesern jetzt 12,1 Prozent der Entscheider erreicht (2000: 17,8 Prozent), schafften "Focus Money", Bauers "Geldidee" und "Die Telebörse" trotz der Börsenmalaise erstmals die LAE-Erhebung. Vor allem bei Christiane Graeben, Marketing Managerin "Geldidee", ist die Freude hoch: "Aufgrund des breiteren Themenangebots mit Steuern, Versicherungen, Technik und Fonds sind wir von der Entwicklung an der Börse nicht so abhängig wie ,Börse Online' oder ,Telebörse'."

Für die drei Titel "Bild der Wissenschaft", "P.M. Magazin" und "Spektrum der Wissenschaft" kam diesmal unfreiwillig das Aus, da alle drei durch das neudefinierte Aufnahmeraster fielen. Dieses macht den wirtschaftlichen und/oder politischen Schwerpunkt eines Titels zur Grundbedingung zur Aufnahme in die Leseranalyse.
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