Bodo Hombach fordert von Verlagen Rückbesinnung auf das Lokale

Mittwoch, 03. November 2010
WAZ-Chef Bodo Hombach
WAZ-Chef Bodo Hombach

Mit einem eindringlichen Appell wendet sich Bodo Hombach an die regionalen Zeitungen. Der Geschäftsführer der Essener WAZ Mediengruppe fordert von den Redaktionen mehr Bürgernähe: "Unser starrer Blick auf die Mantelteile vernebelt die Erkenntnis, dass die Leser vor allem anderen einen guten Lokal- und Regionalteil ihrer Zeitung wünschen. Sie tun es in jeder Befragung und mit dem Trotz eines ungezogenen Kindes." Dies sagte der Manager bei seiner Keynote im Rahmen des Experten-Forums "Meine lokale Welt" des Verbands Deutscher Lokalzeitungen in Frankfurt. Zu lange hätten viele Lokalredaktionen die "Designer-Statements" von Politik und Wirtschaft ungeprüft übernommen, weil sie "gern mit den Würdenträgern in der ersten Reihe saßen" und das Volk hinter sich gelassen haben. Hombach wünscht sich von den Redakteuren, dass sie aufwachen und sich im Verbreitungsgebiet ihrer Zeitung wieder intensiver umschauen. Das Beispiel Stuttgart 21 zeige, dass die Bürger sich ihren Nahbereich wieder zurückerobern. "Wo sind die Journalisten, die diese Chance sehen und ergreifen?", fragt Hombach.

Gerade heute biete sich für den Lokaljournalismus aufgrund der Informationsflut eine große Chance. "Er kann helfen, die Komplexität der Themen herunterzubrechen, ohne sie schrecklich zu vereinfachen. Der lokale Journalist hat die Wirklichkeitskontakte, die anderen fehlen. Dabei steht für ihn eine hohe Qualität der Berichterstattung nicht im Widerspruch zum Stellenabbau. Die Frage sei nicht, wie man trotz Sparen besser werden könnte. Sondern er ist überzeugt: "Wir können durch Sparen besser und stärker werden." Die Lösung sei ein organisierter Contentaustausch innerhalb den Redaktionen eines Verlags. Synergien und Kooperationen seien derzeit die entscheidenden Stichworte.

Allerdings weist Hombach auch darauf hin, dabei stets an den Vorteil des Lesers zu denken. "Wenn das nicht gelingt, gehen sie davon, still und leise. Und wir stehen da mit unseren schönen Theorien und Statistiken, mit unseren Blättern oder iPads, und der Letzte macht das Licht aus." Die komplette Rede steht auf der Website der WAZ-Gruppe zum Nachlesen bereit. bn
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