"Bin froh, dass 2012 vorbei ist": Julia Jäkel zur Lage bei Gruner + Jahr

Dienstag, 15. Januar 2013
G+J-Managerin Julia Jäkel auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt (Foto: Friedemann Vogel)
G+J-Managerin Julia Jäkel auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt (Foto: Friedemann Vogel)

Auf ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit der Einstellung der „Financial Times Deutschland“ Anfang Dezember gibt sich Julia Jäkel optimistisch. Die Deutschlandchefin von Gruner + Jahr sieht zwei große Baustellen im eigenen Haus: Digitalisierung und die Arbeit an den Printmedien. „Ich kann mich nicht auf das eine oder das andere fokussieren“, sagte sie auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt, der Jahresauftaktveranstaltung der Branche.
Julia Jäkel: „Ich stürze mich nicht in eine Schlacht, die ich nicht gewinnen kann. “
„Wir werden noch lange Jahre gutes Geld mit Print verdienen“, sagte sie vor rund 400 Zuhörern. „Aber wir müssen uns an vielen Stellen hinterfragen, ob wir auch exzellentes Handwerk liefern.“ Als unterschwellige Kritik an der bisherigen Chefredaktion des Flagschiffs „Stern“ will sie die Aussagen jedoch nicht verstanden wissen. Dort habe mit dem Wechsel von Thomas Osterkorn und Andreas Petzold auf den Herausgeber-Posten und dem Nachrücken von Dominik Wichmann einer der partnerschaftlichsten Generationenwechsel der Branche stattgefunden. „Wir haben beim ,Stern’ kein Produktproblem.“ Trotzdem müsse auch das Nachrichtenmagazin stets an sich arbeiten, genauer sein, sprachlich brillant und emotional berührend.

Im Bereich Digitalisierung räumt Jäkel Versäumnisse bei Gruner + Jahr ein. Im Rahmen des Abgangs von Ex-G+J-CEO Bernd Buchholz und der folgenden Einstellung der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien 2012 hatte es viele Diskussionen um die Versäumnisse im Verlag gegeben, aber auch darüber, ob G+J vom Haupteigentümer Bertelsmann überhaupt genügend Geld für Investitionen zur Verfügung gestellt bekommt.

Räumt Versäumnisse bei der Digitalisierung ein: Julia Jäkel (Foto: Friedemann Vogel)
Räumt Versäumnisse bei der Digitalisierung ein: Julia Jäkel (Foto: Friedemann Vogel)
Einen von Gütersloh verordneten Sparkurs weist Jäkel von sich: „Ich stürze mich nicht in eine Schlacht, die ich nicht gewinnen kann“, sagte sie mit Blick auf die Investitionsmittel. Im Klartext: Gäbe es nicht genug Geld, hätte sie den Job als Vorstand auch nicht angenommen. „Die Gesellschafter wollen, dass es G+J langfristig gut geht. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam nach vorne marschieren.“

Im Digitalbereich sieht Jäkel das Zögern der vergangenen Jahre nicht mehr nur als Versäumnis, sondern auch als Chance. „Wir haben aufzuholen, aber auch etwas Glück. Der Wille bei den Endkonsumenten Mobil zu zahlen, ist eine Chance. Da ist die Schlacht noch nicht geschlagen und da greifen wir an.“ G+J EMS ist im Moment der größte Vermarkter für mobile Inhalte.

Schwammig blieb Jäckel beim Thema Trading. Im vergangenen Jahr hatten die Mediaagenturen den Druck auf Print erhöht, ihnen Volumen zur Verfügung zu stellen, dass diese auf eigene Rechnung weiterverkaufen können. Die Bertelsmann-Töchter IP Deutschland (TV) und Gruner + Jahr galten lange als die letzten Vermarkter, die dieser Praxis widerstehen. G+J soll auch dafür 2012 von den Agenturen abgestraft worden sein. „Wir können uns bei Gruner + Jahr nicht komplett abkoppeln. Es gibt das Bedürfnis der Agenturen nach sehr preisorientierten und wenig beratungsintensiven Produkten. Darauf stellen wir uns ein“, sagte Jäkel nun.

Jäkel ist optimistisch, dass G+J 2013 ein ordentliches Jahr hinlegen wird, auch weil es gelungen sei, auf Produktebene 2012 Pflöcke einzuschlagen. „Doch ich bin froh, dass 2012 vorbei ist“, sagte sie sichtlich erleichtert. pap
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