"Bild plus": Wofür die Leser künftig zur Kasse gebeten werden

Dienstag, 28. Mai 2013
Das Nachrichtenangebot von Bild.de wird auch weiterhin frei zugänglich sein
Das Nachrichtenangebot von Bild.de wird auch weiterhin frei zugänglich sein


Für den Axel-Springer-Verlag ist es ein Paradigmenwechsel, für die deutsche Printbranche ein Wegweiser: "Bild plus", das am Montagabend in Berlin vorgestellte Bezahlmodell einer der größten Boulevardzeitungen Europas, verbindet die gedruckte Zeitung konsequent mit allen digitalen Plattformen, über alle Kanäle und Endgeräte hinweg. Ab 11. Juni hat der Leser die Wahl zwischen drei verschiedene Varianten eines Marken-Abos, die sich preislich zwischen 4,99 und 14,99 Euro monatlich bewegen. Der Zugriff auf die reinen Nachrichten der "Bild" bleibt kostenfrei. Der Kern von "Bild plus" ist ein Freemium-Modell, das sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Inhalte auf Bild.de umfasst. Zu ersteren zählt Springer Nachrichten, für die der User weiterhin nicht bezahlen muss. Längere Geschichten dagegen, exklusive Interviews und Hintergrundgeschichten wandern hinter die Paywall beziehungsweise die sogenannten Markenabos. Jedes davon enthält grundsätzlich den freien Zugang zu allen "Bild plus"-Inhalten auf Bild.de, stationär und mobil, sowie zu allen "Bild"-Apps. Außerdem können die E-Paper-Ausgaben aller Regionalausgaben sowie der "Bild am Sonntag" und die gedruckte Zeitung in Form eines Gutscheinheftes dazu gebucht werden. Besonderer Clou: Leser, die die "Bild" am Kiosk kaufen, finden darin künftig einen "Tagespass", der ihnen am jeweiligen Tag den kompletten Zugriff auf alle digitalen "Bild plus"-Inhalte gestattet. Über ein neuartiges Druckverfahren wird jede Zeitung dabei mit einem individuellen Code versehen.

Die regulären Pakete können Fußball-Fans zusätzlich zum Start der Bundesliga-Saison im August mit dem Baustein "Bundesliga bei Bild" ergänzen. Für 2,99 Euro im Monat gibt es dann zusätzlich die Highlight-Clips der 1. und 2. Bundesliga samt multimedialer Fußballberichterstattung.

"Das Projekt hat durch seinen hohen Grad an Komplexität und Innovation alle Mitarbeiter gefordert und einen Veränderungsprozess eingeleitet", blickt Donata Hopfen, Geschäftsführerin Bild Digital, zurück. Konferenzen, Ressort und Redaktionsabläufe seien neu strukturiert worden, ergänzt Marion Horn, stellvertretende "Bild"-Chefredakteurin, um "Geschichten künftig so zu erzählen, dass die dem Leser auch im Netz Geld wert sind".

Mit dem umfassenden Bezahlangebot folgt "Bild" konsequent der Digitalisierungsstrategie des Konzerns. "Unabhängiger Journalismus hat in der digitalen Welt nur eine Chance, wenn er wie auch im klassischen Printgeschäft über Anzeigen- und Vertriebserlöse finanziert wird", bekräftigt Andreas Wiele, Vorstand Bild-Gruppe und Zeitschriften. Erste Erfahrungen damit sammelt Springer seit Dezember vergangenen Jahres bei seiner Tageszeitung "Die Welt" beziehungsweise dem Online-Auftritt Welt Online. Hier greift allerdings ein Metered Modell, bei dem der User erst nach 20 freien Artikeln im Monat zur Kasse gebeten wird. kl
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