Bild fürchtet keine Gratistitel / Indirekte Kritik am Joint Venture Bild.T-Online

Donnerstag, 25. Oktober 2007
Christian Nienhaus
Christian Nienhaus

Bei Europas größter Tageszeitung "Bild" rechnet man nicht damit, dass die Deutsche Post eine Gratiszeitung in den Markt drückt. Hinter entsprechenden Ankündigungen des Gelben Riesen "steckt wohl mehr eine PR-Strategie, um die Verlage von ihren Aktivitäten im Postmarkt abzubringen, als ein ausgereifter Businessplan", sagt Christian Nienhaus, Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe Bild, im exklusiven HORIZONT-Interview. "Gratiszeitungen funktionieren nicht per bundesweit flächendeckender Haushaltszustellung", so Nienhaus weiter.

Allein als regionale Anzeigenblätter oder als Pendlerzeitungen in der Metropole einzelner Länder hätten Gratiskonzepte eine Chance. Nienhaus: "Deutschland ist aber anders strukturiert, wir haben sehr kräftige und erfolgreiche Regionalzeitungsverlage, die sich wehren würden." Auch "Bild" sei gewappnet: "Wir könnten sofort und überall dort, wo - wer auch immer - eine Gratiszeitung startet, mit einem Gegenprodukt kontern. Inklusive attraktiver Anzeigenkombinationen mit Bild".

Außerdem kündigt der "Bild"-Geschäftsführer Offensiven im Vertriebs- und Anzeigenmarkt an. So werden ab 2008 auch die Discounterketten Aldi Nord und Norma dauerhaft übers Grosso mit "Bild" beliefert. Werbekunden will Nienhaus noch in diesem Jahr festformatige Anzeigen als Restplätze übers Internet verkaufen - nach dem Vorbild der Fluggesellschaften. Außerdem überlegt er, in einer "Bild"-Ausgabe einmal alle Anzeigen über Ebay zu versteigern.

Zur Zukunft des Joint Ventures mit T-Online beim Portal Bild.T-Online äußert sich Nienhaus erstmals skeptisch: Aus Sicht der Marke "Bild" müsste Axel Springers wichtigstes Internetportal längst "Bild.de" heißen und ohne den 37-Prozent-Gesellschafter T-Online arbeiten, bestätigt Nienhaus und ergänzt: "Die Kooperation ist erfolgreich. Ich hätte aber auch nichts gegen eine 100-prozentige Markenverantwortung." Seit längerem kursierende Gerüchte, Axel Springer wolle T-Online baldmöglichst aus dem Joint Venture herauskaufen, kommentiert der Verlag nicht. rp

Das Interview mit Christian Nienhaus lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 43/2007, die am Donnerstag, 25. Oktober, erscheint.
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