"Bild" antwortet der "taz" zur Causa Wulff

Dienstag, 17. Januar 2012
Kai Diekmann hat der "taz" geantwortet, doch die ist nicht zufrieden
Kai Diekmann hat der "taz" geantwortet, doch die ist nicht zufrieden


Es ist eigentlich eine der spannendsten Fragen im Zusammenhang mit der Medienaffäre um Bundespräsident Christian Wulff: Wie gelangte der Inhalt der verhängnisvollen Nachricht auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann an die Öffentlichkeit, obwohl das Blatt selbst nicht darüber berichtet hat? Für die "taz" ein willkommener Anlass, ihrem Lieblingsgegner Kai Diekmann mal wieder auf die Füße zu treten. Dieser hat fristgerecht auf die Fragen der linksalternativen Tageszeitung geantwortet - die "taz" mag sich  mit den Erklärungen aber nicht zufrieden geben. Die Fragen der "taz" zielten vor allem darauf ab, wie andere Medien vom Inhalt der Mailbox-Nachricht des Bundespräsidenten erfahren haben - schließlich hat sich die "Bild" selbst gegen eine Veröffentlichung entschieden. Nach Darstellung der Pressestelle von Axel Springer erstellte die Büroleitung von Diekmann noch am 12. Dezember, dem Tag des Anrufs, eine Abschrift der der Nachricht, "die in den folgenden zwei Tagen in den Redaktionskonferenzen vorlag. Tondokumente wurden nicht weitergegeben."

Diekmann habe zudem mit zwei externen Journalisten über den Anruf gesprochen und ihnen in diesem Zusammenhang auch den Text zukommen lassen. "Gerade aufgrund der eigenen Betroffenheit ging es ihm dabei um das Einholen von Einschätzungen nicht betroffener Kollegen außerhalb der Redaktion", teilt Springer mit. Einer der Journalisten habe eine Veröffentlichung empfohlen, der andere davon abgeraten. Mit wem Diekmann konkret über den Anruf gesprochen hat, verrät Springer nicht. Als Tondokument sei die Nachricht nicht weitergegeben worden. Darüberhinaus sei die Abschrift der Nachricht an keine Zeitung oder Zeitschrift weitergegeben worden, betont Springer. Auf Nachfrage verschiedener Journalisten wurden lediglich "einige der bereits bekannten Passagen erläutert".

Die "taz" zeigt sich über die Antworten verwundert: "Ging auch ihm (gemeint ist Diekmann) der journalistische Instinkt verloren?", stichelt die Zeitung. "Lässt er sich in heiklen Fragen tatsächlich von externen Journalisten beraten? Oder lancierte er die Nachricht gezielt, damit andere berichten und sich die Bild nicht die Finger schmutzig machen musste?" Die "taz" will sich mit den Antworten von Diekmann nicht zufrieden geben und weitere Nachfragen stellen. Es gelinge Diekmann mit seinen Antworten nicht, "die Annahme zu entkräften, dass er gezielt Teile der Mailbox-Abschrift gestreut hat", befindet "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl. Das Prestigeduell der beiden Berliner Chefredakteure geht weiter. dh
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