Bild-Geschäftsführer Christian Nienhaus wechselt zur WAZ

Samstag, 01. Dezember 2007
Verlässt Springer: Christian Nienhaus
Verlässt Springer: Christian Nienhaus

Der Verlag Axel Springer verliert offenbar seinen wichtigsten Manager außerhalb des Vorstands: Laut Presseberichten wird Christian Nienhaus, als Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeitungsgruppe Bild („Bild", „BamS", „Sport Bild", „BZ") für den Großteil der Springer-Erträge verantwortlich, an die Spitze der Essener WAZ-Mediengruppe wechseln.

Wie „Focus" vorab berichtet, soll der 47-Jährige neben Bodo Hombach weiterer Geschäftsführer des Verlagskonzerns („Westdeutsche Allgemeine Zeitung", „Westfälische Rundschau", „Westfalenpost", „Thüringer Allgemeine") werden. Die Eigentümerfamilien Brost und Funke hätten der Berufung von Nienhaus bereits zugestimmt, so „Focus". Bei der WAZ-Gruppe war am Wochenende niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Christian Nienhaus

Der gebürtige Westfale und studierte Diplom-Ökonom startet seine Karriere 1984 als Assistent des damaligen G+J-Vorstands Johannes Groß. Nach dem Kauf der „Hamburger Morgenpost" durch G+J wird Nienhaus dort 1987 Geschäftsführer, 1990 geht er für G+J in gleicher Funktion zur „Berliner Zeitung". 1995 wechselt er zur „Badischen Zeitung" in Freiburg, im Jahr 2000 nach München zur „SZ". 2001 heuert er bei Axel Springer in der Verlagsgeschäftsführung der Bild-Gruppe an. Seit 2005 hat Nienhaus, heute 47, deren Vorsitz inne.

Nienhaus soll offenbar das Werbe- und Nebengeschäft der WAZ-Zeitungen ankurbeln. Bei „Bild" hat er beides mit Bravour gemacht: Vor allem dank umfangreichen Merchandisings - allein die „Bild"-Bibeln dürften sich insgesamt rund eine Million Mal verkauft haben - und cleverer Anzeigenangebote erzielt „Bild" trotz stetiger Auflagenrückgänge regelmäßig Rekordumsätze. Die Rendite soll bei 30 Prozent liegen. Umso mehr dürfte Nienhaus' Weggang schmerzen. Bei Axel Springer in Berlin wollte man auf Anfrage von HORIZONT.NET die Meldung nicht bestätigen. „Gerüchte zu Personalien kommentieren wir grundsätzlich nicht", so ein Sprecher.

Völlig überraschend käme Nienhaus' Wechsel vom „Bild"-Chefsessel in das oberste WAZ-Führungsgremium indes nicht; entsprechende Gerüchte kursieren schon länger. In Springer-Kreisen hieß es zuvor, Nienhaus habe sich vergeblich Chancen auf den Posten des Zeitungsvorstands ausgerechnet, den CEO Mathias Döpfner in Personalunion ausübt. Im „Bild"-Umfeld verweist man seit jeher selbstbewusst darauf, dass die Gewinne der eigenen „Roten Gruppe" viele der übrigen Verlagsaktivitäten finanzierten - allem voran die defizitäre „Welt" und Web-Akquisitionen á la Zanox und Aufeminin.com. Gemessen daran seien die Belange der „Bild"-Gruppe im Vorstand unterrepräsentiert, zumal der Bereich Zeitschriften mit Andreas Wiele über einen eigenen Fürsprecher im Vorstand verfüge.


In den vergangenen Monaten hat es dem Vernehmen nach sowohl in Vertriebs- als auch in Vermarktungsfragen heftige Differenzen zwischen Vertretern der „Bild"-Gruppe und dem Bereich Zeitschriften gegeben, in deren Verlauf auch Gregor Stemmle, zuletzt als Managing Director Major Accounts für die bereichsübergreifende Betreuung von Werbegroßkunden zuständig, Axel Springer verlassen hat. Zuvor war Stemmle Chef von Bild.T-Online, musste diesen Posten dann aber für Philipp Welte, den manche als den neuen starken Mann in der „Bild"-Gruppe sehen, räumen. Auch Peter Würtenberger, Verlagsgeschäftsführer der Zeitungsgruppe Welt, wird als möglicher Nienhaus-Nachfolger genannt.


Bei der WAZ-Gruppe, die - gelähmt vom Streit der Eigentümerfamilien Brost und Funke - lange nach einem zweiten Geschäftsführer neben Hombach gesucht hat und die nun ihre gesamte Führungsorganisation umbaut, würde Nienhaus seinen ehemaligen Mitarbeiter Stemmle wiedertreffen, denn der 41-Jährige heuert im Januar in Essen an: In der neu installierten zweiten Managementebene, der Geschäftsleitung, wird Stemmle für die Anzeigen- und Vertriebsvermarktung zuständig sein. Ebenfalls neu im Board: der frühere Bauer-Manager Manfred Braun (Zeitschriften) und Finanzchef Stephan Künzer. Der 45-Jährige hat zuletzt den Vertrieb von Vodafone D2 in Düsseldorf gesteuert. Die endgültige Zusammensetzung der Geschäftsleitung will die WAZ noch in diesem Jahr bekannt geben.

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