"Big Brother" bleibt weiter unter Beobachtung

Dienstag, 07. März 2000

Die umstrittene TV-Show "Big Brother" steht weiter unter Beobachtung der Landesmedienanstalten. Zwar hatte RTL-2-Geschäftsführer Josef Andorfer als Zugeständnis den Kandidaten eine kamerafreie Stunde eingeräumt, doch die Medienwächter wollen erst am 14. März ein abschließendes Urteil über die Sendung fällen. Ein Verbot scheint allerdings unwahrscheinlich. Wie Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, betonte, sei eine gesellschaftspolitische Debatte über solche Sendungen wichtiger: "Voyeurismus ist nicht strafbar." Nun muss Rainer Laux, der für "Big Brother" zuständige Produktionschef bei Endemol, das Problem lösen, wie sich die Show trotz der überwachungsfreien Zeit noch spannend machen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass die erste Kandidatin schon nach wenigen Tagen den Wohncontainer verlassen hat. Laux räumt ein, dass die plötzliche Entscheidung eine völlig neue Situation herbeigeführt habe. Weitere unangenehme Überraschungen kann die Show nicht brauchen, denn die von der Promotionkampagne angelockten Zuschauer befinden sich inzwischen auf der Massenflucht. Sahen die erste Sendung am vergangenen Mittwoch noch 3,35 Millionen Menschen, darunter 2,7 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren, so waren es am Montag nur noch 2,3 Millionen Zuschauer insgesamt und 1,78 Millionen 14- bis 49 Jährige. RTL 2 ging allerdings für die ganze Laufzeit der Show von durchschnittlich 3 Millionen Zuschauern aus. Zumindest im Werbezeitenverkauf machte sich das absolute Fehlen von Skandalen und Sensationen positiv bemerkbar. Wie IP-Deutschland-Sprecher Jan Isenbart berichtet, kann sich der Werbezeitenvermarkter seit Montag sogar über Zubuchungen freuen: "Unsere Kunden haben erkannt, dass es offensichtlich keinen Grund gibt, sich für das Format zu schämen."
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