Beteiligung: Ohne Springer geht bei Dogan nichts mehr

Donnerstag, 19. November 2009
Springer-Chef Mathias Döpfner baut den Einfluss aus
Springer-Chef Mathias Döpfner baut den Einfluss aus
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Axel Springer Medienunternehmen


Axel Springer will 29 Prozent am mit Abstand größten türkischen Medienunternehmen Dogan Yayin Holding übernehmen. Das ist deutlich mehr als ursprünglich geplant. Im November 2008 hatte Springer angekündigt, lediglich mit 9,1 Prozent bei der Holding einsteigen zu wollen. Die Vereinbarung war bereits unterzeichnet, aber nicht vollzogen worden. Der neue Deal wird allerdings nur dann abgeschlossen, wenn die laufenden steuerlichen und regulatorischen Verfahren erfolgreich beigelegt werden. Die türkischen Steuerbehörden haben der Holding Strafen von rund 2,2 Milliarden Euro auferlegt, unter anderem weil sie seinerzeit den Verkaufserlös für die Veräußerung des 25-prozentigen Anteils an der Tochter Dogan TV an Axel Springer zu spät versteuert habe. Für den 24. November ist ein Schlichtungstermin zwischen Dogan und der Regierung angesetzt.

Klappt der Deal, baut Springer seine Macht bei Dogan, zu dem auch die größte türkische Zeitung "Hürriyet" gehört, erheblich aus: Zwei Gremien kontrollieren die Holding. Das Board of Directors, also der Verwaltungsrat, und der Vorstand, das Executive Committee. Das Board besteht aus zehn Mitgliedern. Jede Entscheidung erfordert eine Mehrheit von acht Stimmen. Springer darf jedoch drei Mitglieder stellen und könnte damit jede Entscheidung blockieren. Fünf Mitglieder stellt die Dogan Sirketler Grubu Holding, die Mutter der Dogan Yayin Holding fünf. Auch im Holding-Vorstand steigt der Einfluss. Er besteht aus fünf Mitgliedern. Auch Springer kann ein Mitglied vorschlagen - und dieses hat ein Vetorecht. Wer der Springer-Mann bei Dogan wird, gibt Springer noch nicht bekannt.

Bei der Tochter Dogan TV kommt es durch die Dogan Yayin Holding zu einer Kapitalerhöhung, die Springer jedoch nicht mitmachen wird. Der Springer-Anteil bei der Fernsehtochter wird deshalb auf rund 19,9 Prozent sinken.

Besonderen Charme hat die Ausgestaltung des Kaufpreises. Der 29-prozentige Anteil kostet umgerechnet derzeit 161 Millionen Euro. Er wird jedoch erst 2016 fällig und in Abhängigkeit des Börsenkurses von Dogan Yayin in den drei Monaten vor dem 31. März 2016 angepasst. Springer hatte beim Einstieg 2007 eine Wertsicherungsklausel vereinbart. Mögliche Ansprüche daraus können dann mit dem Kaufpreis verrechnet werden. pap
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