Bestätigt: Tomorrow Focus verantwortet deutsche "Huffington Post"

Montag, 29. April 2013
Die "Huffington Post" startet mit Tomorrow Focus Media in Deutschland (Bild: Screenshot)
Die "Huffington Post" startet mit Tomorrow Focus Media in Deutschland (Bild: Screenshot)


Wie HORIZONT.NET bereits vergangene Woche berichtet hat, hat "Huffington Post" einen Partner für ihre deutsche Ausgabe gefunden: Das Portal wird hierzulande von Tomorrow Focus Media an den Start gebracht, wie das Unternehmen heute bestätigte. Die deutsche "Huffington Post" werde Nachrichtenportal und Plattform für Meinungsbeiträge, Blogs und Community sein, wie die Burda-Tochter mitteilt. Im Herbst soll es so weit sein, bis dahin wird ein Redaktionsteam zusammengestellt. Als Geburtshelfer für den Deutschland-Start soll die Burda-Marke "Focus" dienen. Bereits in der vergangenen Woche hatte HORIZONT.NET erfahren, dass Tomorrow Focus und die "Huffington Post" eine Partnerschaft anstrebten. Mit der offiziellen Verkündung dieses Schrittes geht eine fast zweijährige Suche der "HuffPo"-Verantwortlichen zu Ende. "Mit ihrer starken Position, der großen Erfahrung im Online-Publishing und profunden Kenntnissen der deutschen Gesellschaft und Kultur können uns Tomorrow Focus und Hubert Burda Media besser als jeder andere dabei unterstützen, über das zu berichten, was die Menschen am meisten interessiert", so die Vorsitzende, Präsidentin und Chefredakteurin Arianna Huffington.

Dass Huffington und ihr CEO Jimmy Maymann hierzulande nicht einfach eine Website unter vielen aufbauen wollen, ist bereits lange bekannt, wurde nun aber noch einmal bekräftigt: Man wolle innerhalb von zwei Jahren Geld verdienen und in spätestens fünf Jahren in den Top Fünf der deutschen Nachrichtenangebote sein, sagte Maymann Medienberichten zufolge und wiederholte damit seine Ankündigung im HORIZONT.NET-Interview vom März. Dabei helfen soll eine strategische Partnerschaft mit der Burda-Marke "Focus": Zu Beginn solle die "HuffPo" auf "Focus Online" auftauchen und ihre Beiträge dort verlinkt werden, wie bei "faz.net" zu lesen ist. Auch werde "Focus" in das hiesige Logo der "Huffington Post" integriert, zudem sei eine redaktionelle Zusammenarbeit etwa in der Themenauswahl geplant.

"ToFo"-Chef Christoph Schuh (l.), Jimmy Maymann und Oliver Eckert (Bild: Burda)
"ToFo"-Chef Christoph Schuh (l.), Jimmy Maymann und Oliver Eckert (Bild: Burda)
Die weitere Arbeitsteilung zwischen "HuffPo" und "ToFo" soll so aussehen, dass Tomorrow Focus die Vermarktung übernimmt, während die Amerikaner die Technologie und das redaktionelle Konzept einbringen. Genauer werden die frisch gebackenen Partner auf Burdas Digitalkonferenz DLD Women am 15. Juli in München bekannt geben, bei der Arianna Huffington Schirmherrin ist. Weiterhin eine Absage erteilt Maymann Paid Content: Die deutsche "Huffington Post" solle sich alleine durch Werbung finanzieren. Dass auch genügend Anzeigenkunden auf das neue Angebot anspringen, dafür solle das einmalige Redaktionskonzept der Website sogen: "Die deutsche 'Huffington Post' ist nicht irgendein weiteres Nachrichtenportal. Sie ist eine soziale Plattform, bei der sich alle User mit eigenen redaktionellen Beiträgen beteiligen und engagieren können", sagt Tomorrow-Focus-Geschäftsführer Oliver Eckert.

Die Suche der "HuffPo"-Macher nach einem deutschen Partner hatte sich alles andere als leicht gestaltet. Als problematisch galten nicht nur die mangelnde Markenbekanntheit der Website in Deutschland, sondern vor allem, dass es sich bei der "Huffington Post" um ein Gratis-Portal handelt, das in großem Stil Nachrichten anderer Seiten aggregiert. Dies läuft den Bemühungen deutscher Verleger nach Einführung von geeigneten Paid-Content-Modellen zuwider. Dennoch sei das Interesse aus dem deutschen Markt bis zuletzt groß gewesen, so Maymann zur "FAZ": "Wir mussten jemanden enttäuschen, als wir uns entschieden, mit Tomorrow Focus zusammenzuarbeiten."

Dass nun Burdas Digitaltochter den Zuschlag erhalten hat, überrascht allerdings angesichts einer Meldung im aktuellen "Spiegel". Dort heißt es, Burda habe seinerzeit eine Übernahme der "Huffington Post" in Deutschland geprüft, aber verworfen. Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Verlagskreise berichtet, habe man bei Burda das Angebot "wirtschaftlich nicht stabil" rechnen können. ire
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