Bertelsmann vor dem Verkauf von BOL

Montag, 02. September 2002

Der Abgang des Internet-Machers Thomas Middelhoff von der Bertelsmann-Konzernspitze zeigt erste Konsequenzen: Branchengerüchten zufolge will der Medienriese offenbar den Online-Buchhändler BOL abstoßen. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" wurde bereits ein entsprechender Beschluss im Vorstand des Gütersloher Konzerns gefällt. Auch das Online-Musikunternehmen Bemusic sowie die amerikanische Internet-Buchsparte Barnesandnoble.com, an dem Bertelsmann 35,2 Prozent der Anteile hält, stehen Gerüchten zufolge zum Verkauf.

Ein Sprecher des Unternehmens wollte dies gegenüber HORIZONT.NET zwar nicht offiziell bestätigen. Doch werde derzeit intensiv darüber nachgedacht, wie die Direct Group, die im 2. Halbjahr 2001 rund 40 Millionen Euro Verlust machte, in die Gewinnzone geführt werden könne. Dies sei nur durch eine stärkere Fokussierung auf das Kerngeschäft möglich: "Für alle nicht zum unmittelbaren Stammgeschäft gehördenden Aktivitäten - erfolgreich wie sie sind - prüfen wir gegenwärtig alle strategischen Optionen".

BOL kann mit seiner Positionierung auf den elektronischen Einzelhandel wohl kaum zum Kerngeschäft der Direct Group gezählt werden, die sich vornehmlich auf das Clubgeschäft spezialisiert hat. Auch der Anteil am Gesamtumsatz legt nahe, dass die Direct Group mit BOL nur einen Nischenmarkt besetzt. So hat der Online-Buchhändler in den Jahren 2000 und 2001 insgesamt 90 Millionen Euro umgesetzt, der Gesamtumsatz der Direct Group lag aber bei 3,8 Milliarden Euro.

Zudem schreibt BOL auch heute noch deutlich rote Zahlen - ein weiteres Indiz dafür, dass sich Gütersloh von der Beteiligung trennen dürfte. Eine Sprecherin von Amazon hat die Gerüchte über eine potenzielle Übernahme von BOL als "reine Spekulation" bezeichnet: "Zu Gerüchten dieser Art nehmen wir grundsätzliuch keine stellung".
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