Bertelsmann verabschiedet sich aus Joint-Venture mit Sony / BMG wird neu ausgerichtet

von Marco Saal
Dienstag, 05. August 2008
Sony BMG gehört bald der Vergangenheit an
Sony BMG gehört bald der Vergangenheit an

Bertelsmann hat den lange erwarteten Ausstieg aus dem Joint-Venture Sony BMG vollzogen. Der Gütersloher Medienriese wird seinen 50-Prozent-Anteil an dem Unternehmen an den japanischen Elektronikriesen Sony verkaufen. Zu den finanziellen Details schweigen sich Bertelsmann und Sony aus.  HORIZONT.NET erfuhr allerdings aus unternehmensnahen Kreisen, dass das Gesamtpaket im Hause Bertelsmann mit rund 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet wird. Darin enthalten sind auch Steuervorteile, von denen Bertelsmann profitiert, die aber Sony nichts kosten.

Sony BMG war im August 2004 gegründet worden. Sollten die Kartellbehörden dem Deal zustimmen, wird das Musikunternehmen künftig unter dem Namen Sony Music Entertainment  firmieren und zu einer 100-Prozent-Tochter der Sony Corporation of America.
Bertelsmann-Chef Ostrowski begründet den Verkauf mit der neuen Wachstumsstrategie
Bertelsmann-Chef Ostrowski begründet den Verkauf mit der neuen Wachstumsstrategie
Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski begründet den Ausstieg mit der neuen Wachstumsstrategie des Unternehmens. Diese sieht vor, dass sich Bertelsmann künftig auf "definierte Wachstumsfelder" konzentriert. "Wir sind überzeugt, dass Sony Music Entertainment unter der Führung von Sony vor einer großen Zukunft steht", so Ostrowksi. Beim künftigen Alleineigentümer Sony sieht man das naturgemäß ähnlich. "Diese Akquisition wird es uns ermöglichen, eine noch tiefergehende, stabilere Integration zwischen den weit reichenden globalen Aktivitäten des Musikunternehmens und Sonys Produkten, Konzernfirmen und Beteiligungen zu erreichen", hofft CEO Howard Stringer.

Ganz aufgelöst werden die Geschäftsbeziehungen mit Gütersloh jedoch nicht. So wurde vereinbart, dass die Verträge mit dem Bertelsmann-Mediendienstleister Arvato Digital um bis zu sechs Jahre verlängert werden. Arvato bediente bislang gemeinsam mit Sony DADC das Fertigungs- und Distributionsvolumen von Sony BMG.

Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe will mit Musikrechten Geld verdienen
Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe will mit Musikrechten Geld verdienen
Außerdem wird Bertelsmann einige europäische Musikkataloge von Sony BMG mit Werken von mehr als 200 Künstlerinnen und Künstlern übernehmen. Hintergrund ist eine Neuausrichtung der Bertelsmann Music Group (BMG), die anders als vermutet nicht beerdigt, sondern auf das Management von Musikrechten ausgerichtet wird. Bertelsmann will so eine Lizensierungs- und Verwaltungsplattform für die Vermarktung von Musikrechten unter der Marke BMG etablieren. „Die Vielzahl neuer Verbreitungswege lässt die Nachfrage nach Musiknutzungsrechten steigen. Vor diesem Hintergrund halten wir den Aufbau eines Geschäfts für die Verwaltung und Auswertung solcher Rechte in Europa für attraktiv", erklärt Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe, der auch die Musiksparte im Vorstand verantwortet.

Die wichtigsten Führungsfragen sind bereits geklärt. Als Geschäftsführer von BMG in Berlin ist der Musik-Manager Hartwig Masuch vorgesehen. Maximilian Dressendörfer, Mitglied der Bereichsleitung BMG, soll der Geschäftsführung ebenfalls angehören.
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