Bertelsmann spart sich schwarz / G+J macht 18 Millionen Euro Verlust

Dienstag, 23. März 2010
Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski will 2010 ins Digitalgeschäft investieren
Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski will 2010 ins Digitalgeschäft investieren

Bertelsmann ist mit einem blauen Auge durchs Krisenjahr 2009 gekommen. Trotz Wirtschaftskrise schrieb der Gütersloher Medienriese schwarze Zahlen. Dass das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen "nur" um 9,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro sank und unter dem Strich noch ein Gewinn von 35 Millionen Euro übrig blieb, lag freilich an dem rigiden Sparkurs des Konzerns, der seine Kosten 2009 um rund eine Milliarde Euro gesenkt hat. Beim Umsatz weist Bertelsmann für 2009 ein Minus von 5,4 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro aus. Dazu beigetragen hat vor allem Gruner + Jahr: Der Umsatz der Bertelsmann-Verlagstochter ging um 9,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zurück. Das "Manager Magazin" hatte in der vergangenen Woche vorab schlechtere Zahlen für G+J vermeldet - dabei aber um ein paar hundert Millionen Umsatz-Euro danebengelegen. Vor allem die Werbekrise hat dem Verlag schwer zu schaffen gemacht. So brachen die Anzeigenerlöse in den Kernländern Deutschland, Frankreich und Österreich jeweils zwischen 15 und 20 Prozent ein. Auch der operative Ertrag sank deutlich um 9,8 Prozent auf 203 Millionen Euro.

G+J-Chef Bernd Buchholz verspricht schwarze Zahlen für 2010
G+J-Chef Bernd Buchholz verspricht schwarze Zahlen für 2010
Unter dem Strich rutscht G+J sogar, wie seit langem erwartet, in die roten Zahlen: Wie G+J-Chef Bernd Buchholz auf Nachfrage bestätigt, summieren sich die Verluste des Verlagshauses 2009 auf 18 Millionen Euro. "Es war ein extrem schwieriges Jahr", begründet Buchholz die Entwicklung, die allerdings in diesem Jahr deutlich besser ausfallen soll: "Wir sind inzwischen sehr viel schlanker aufgestellt und haben die Strukturen und Prozesse optimiert", so Buchholz. Daher sei er sehr optimistisch, mit Gruner + Jahr 2010 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Der Verlag hat 2009 in der Tat deutlich Personal abgebaut: So ging die Mitarbeiterzahl bei Gruner + Jahr gegenüber dem Vorjahr um rund 1400 auf rund 13.500 zurück. Das immer wieder auftauchende Gerücht, Bertelsmann könne den Verlag verkaufen, wurde erneut dementiert: "Die Beteiligung steht nicht zur Debatte, wir werden Gruner + Jahr weiterentwickeln", so Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski.  

Etwas besser kam die TV-Tochter RTL durchs Krisenjahr 2009. Zwar musste der Sender angesichts zweistelliger Rückgänge auf den TV-Werbemärkten in Europa ebenfalls Federn lassen, doch arbeitete die RTL Group auch 2009 "hochprofitabel", wie Bertelsmann betont. Bei einem Umsatz von 5,4 Milliarden Euro (minus 6,3 Prozent) erwirtschaftete die RTL Group einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen in Höhe von 793 Millionen Euro - gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Minus von 14,5 Prozent.

Hartmut Ostrowski: Standen 2009 Kosten- und Cash-Management im Mittelpunkt, wird es uns in diesem Jahr vor allem darum gehen, die Signale auf Wachstum zu stellen. “
Auch die übrigen Bertelsmann-Sparten sind nicht ungeschoren davon gekommen. So gingen Umsatz und Gewinn des Medien- und Kommunikationsdienstleisters Arvato 2009 ebenso zurück wie bei der Club- und Buchhandelssparte Direct Group. Lediglich die Publikumsverlagsgruppe Random House weist für 2009 einen stabilen Umsatz und ein gleichbleibendes operatives Ergebnis aus.

"Wir haben die Folgen der Wirtschaftskrise wie jedes Medienunternehmen weltweit zu spüren bekommen, vor allem bei der Werbung. Doch Bertelsmann hat schnell und in bester dezentraler Manier nah an Kunden und Märkten reagiert", sagt Vorstandschef Hartmut Ostrowski. Bertelsmann stehe daher heute "eindeutig fitter da als noch vor einem Jahr" und sei gut für zukünftiges Wachstum positioniert, so Ostrowski.

Obwohl Bertelsmann für 2010 vor allem an den Werbemärkten eine Stabilisierung, aber keine nachhaltige Erholung erwartet, und lediglich einen Umsatz und ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau voraussagt, will der Konzern im laufenden Jahr wieder investieren. "Wir verlagern jetzt den Schwerpunkt unserer strategischen Arbeit. Standen 2009 Kosten- und Cash-Management im Mittelpunkt, wird es uns in diesem Jahr vor allem darum gehen, die Signale auf Wachstum zu stellen", sagt Ostrowski. Im Vordergrund sollen die Digitalaktivitäten in allen Geschäftsbereichen und der Zugewinn von Marktanteilen stehen. mas
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