Bertelsmann rutscht in die roten Zahlen

Montag, 31. August 2009
Bertelsmann-Chef Ostrowski will fast eine Milliarde Euro sparen
Bertelsmann-Chef Ostrowski will fast eine Milliarde Euro sparen

Die anhaltende Werbekrise hinterlässt bei Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann ihre Spuren. Im 1. Halbjahr schreibt das Unternehmen einen Verlust von 333 Millionen Euro - nach einem positiven Konzernergebnis von 372 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Entsprechend beherzt versuchen die Chefs der Sparten und Bertelsmanns Vorstandsvorsitzender Hartmut Ostrowski die Kosten zu senken. Bereits vergangene Woche hatte Gerhard Zeiler, CEO der normalerweise besonders ertragsstarken RTL Group, verkündet, die Kosten um circa 200 Millionen Euro eingedampft zu haben. Für den Gesamtkonzern und das gesamte Jahr 2009 konkretisiert Bertelsmann nun das im März angekündigte Sparziel auf rund 900 Millionen Euro.

Bei den geplanten Einsparungen soll die Druck- und Dienstleistungssparte Arvato laut "Spiegel" an die 250 Millionen Euro schultern. Das Ziel für den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr liegt demnach bei 200 Millionen Euro, das für die Direct Group bei 50 Millionen Euro.

Das Ergebnis können die bislang wirksamen Einsparungen des 1. Halbjahres jedoch nicht retten. Ostrowski rechnet mit dem vollen Ergebniseffekt erst in der zweiten Jahreshälfte. Der Umsatz sank um 6,8 Prozent auf rund 7,2 Milliarden Euro, das Operating Ebit jedoch um fast ein Drittel auf 475 Millionen Euro.

Am härtesten trifft es erwartungsgemäß die werbeabhängigen Töchter - allen voran Gruner + Jahr: Das Hamburger Unternehmen verliert rund die Hälfte des Operating Ebit und erzeilt nur noch 55 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten des Jahres.  Bertelsmanns größter Umsatz- und Ertragsbringer RTL hatte vergangene Woche einen Rückgang von rund 28,5 Prozent auf 353 Millionen Euro gemeldet, ebenfalls bei einem Verlust.

Wie häufig in konjunkturell schlechten Zeiten, stabilisiert Arvato Umsatz und Ertrag der Gütersloher. Mit einem Umsatz von 2,243 Milliarden Euro und einem Operating Ebit von 103 Millionen Euro (2008: 102 Millionen Euro) bleibt die zweitgrößte Konzernsparte auf Vorjahresniveau.

Rückläufig sind dagegen auch die kleineren Sparten Random House und Direct Group. Die Buchgruppe Random House setzt 734 Millionen Euro um, verliert jedoch ein Drittel des Operating Ebit und landet bei rund 20 Millionen Euro, die Direct Group steigert ihren operativen Verlust um 3 auf 10 Millionen Euro, bei einem gesunkenen Umsatz von 581 Millionen Euro.

Während die Umsatzrendite von 3,3 Prozent im 1. Quartal auf 9,8 Prozent im 2. Quartal kräftig angestiegen ist, kommen die Gütersloher in Sachen Schuldenabbau im derzeitig schwierigen Umfeld nicht voran. Die wirtschaftlichen Finanzschulden steigen von 6,627 Milliarden Euro zum 31.12.2008 auf 6,834 Milliarden Euro zum 30.6.2009. Damit dürfte sich der Spielraum des Konzerns, den dieser für strategisch wichtige Investitionen hat, weiter einschränken. Bereits im 1. Quartal sind diese um rund 50 Millionen auf 381 Millionen Euro  gesunken. "Wir verfügen über eine gute Liquiditätsausstattung und angemessene freie Kreditlinien", findet Bertelsmanns Finanzchef Thomas Rabe. Der Konzern muss laut "Spiegel" 2010 Anleihen von rund 800 Millionen Euro zurückzahlen.

Für das Gesamtjahr geht Bertelsmann weiterhin von einem sinkendem Umsatz und operativen Ergebnis aus. Entsprechend betont Ostrowski: "Oberste Priorität hat es für uns derzeit, die bestehenden Geschäfte zu stabilisieren, die Liquidität zu schonen und das Ergebnis zu sichern."

Das Sparprogramm schlägt sich auch in den Stellen nieder. Mit 103.452 Mitarbeitern zählt Bertelsmann zum 30. Juni rund 3700 Beschäftigte weniger.  pap
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