Bertelsmann plant Einstieg in die Mobiltelefonie und steigert Umsatz und Ergebnis

Donnerstag, 17. März 2005

Der Medienriese Bertelsmann prüft den Einstieg in das Geschäft mit der Mobilfunktelefonie. Die zweitwichtigste Sparte Arvato überlegt, über die Tochter Arvato Mobile unter einer eigenen Marke Telefonkunden akquirieren, kündigte Bertelsmann Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen heute bei der Präsentation der Bilanz 2004 in Berlin an. Dabei würde Arvato - wie der jüngst ebenfalls ins Mobilfunkgeschäft eingestiegene Händler Tchibo - kein eigenes Netz aufbauen. Zu den Details wollte sich Arvato-Chef Hartmut Ostrowski noch nicht äußern.

Auch das Geschäft mit digitalen Diensten will Arvato Mobile stärker ausbauen. Gnab heißt eine Downloadplattform über die Arvato in wenigen Wochen digitale Inhalte ins Internet bringen will, darunter auch Filme und Spiele. In den kommenden Jahren sieht Thielen bei der Vermarktung von Spielen über Internet und auch interaktives TV erhebliches Potenzial. "Das tangiert direkt unsere Geschäfte. Wir werden dabei ein Rolle spielen", kündigte er an.

Arvato Mobile ist für Thielen ein Bereich mit "großem Zukunftspotenzial". 2004 erwirtschaftete Arvato insgesamt 3,756 Milliarden Euro (+3,2 Prozent) und hat seinen Abstand zu Gruner + Jahr mit 2,439 Milliarden Euro (-1,7 Prozent) ausgebaut. Zum Rückgang bei G+J hätten insbesondere Wechselkurseffekte und Portfolioveränderungen geführt. Die RTL Group ist mit einem Umsatz von 4,878 Milliarden Euro weiterhin der wichtigste Bereich von Bertelsmann. Der gesamte Konzernumsatz inklusive der Sparten BMG, Random House, und der Direct Group, betrug rund 17 Milliarden Euro nach 16,8 Milliarden Euro im Vorjahr.

Noch stärker ist der Anteil Arvatos am Operating Ebit. Nach RTL mit 668 Millionen Euro trug das Segment 310 Millionen Euro bei. Das operative Ergebnis von G+J ging auf 210 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 233 Millionen Euro). Insgesamt hat das Gütersloher Medienunternehmen das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2004 deutlich gesteigert. Das Operating Ebit erhöhte sich auf 1,43 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,03 Milliarden Euro). Im Zuge dieser Umsatz- und Ergebnisentwicklung verbesserte sich die Umsatzrendite von 6,1 Prozent im Vorjahr auf 8,4 Prozent. Bis Ende 2007 will Thielen die Zehn-Prozent-Marke reißen.

Im laufenden Jahr will Thielen "einen Gang höher schalten". Die Übernahme der Motorpresse durch Gruner + Jahr, das Tiefdruck-Joint Venture von Arvato mit Gruner + Jahr und Konkurrent Axel Springer sowie die Fusion einiger Arvato-Töchter mit dem Datendienstleister Infoscore sollen den Umsatz steigern. Außerdem hat Bertelsmann inklusive nicht ausgeschöpfter Kreditlinien über zwei Milliarden Euro für weitere Akquisitionen im In- und Ausland in der Kriegskasse.Der nach Finanzergebnis, Steuern und Sondereinflüssen verbleibende Jahresüberschuss vor Fremdanteilen erhöhte sich 2004 deutlich auf 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 208 Millionen Euro). pap/nr
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