Bertelsmann mit höherem Konzernergebnis / Kein Wort zu Buchholz

Freitag, 31. August 2012
Bertelsmann kommt gut durchs 1. Halbjahr 2012
Bertelsmann kommt gut durchs 1. Halbjahr 2012

Ausgerechnet die Buchsparte Random House rettet Bertelsmann das operative Ergebnis im 1. Halbjahr 2012. Sowohl die stark von der Konjunktur abhängigen Sparten RTL Group, die ihre Zahlen bereits vergangene Woche präsentiert hat, als auch Gruner + Jahr weisen dagegen einen Ergebnisrückgang auf. Das Konzernergebnis ist jedoch um ein sattes Drittel auf 353 Millionen Euro gestiegen. Das Minus in der Verlagssparte, die mit 85 Millionen Euro Operating Ebit immer noch sehr profitabel ist, ist derzeit auch der Anlass für Diskussionen zwischen den Gesellschaftern Bertelsmann und der Familie Jahr um die künftige Ausrichtung des Zeitschriftenkonzerns. Auch ein Kauf der Jahr-Anteile durch Bertelsmann ist demnach nicht ausgeschlossen. G+J-Chef Bernd Buchholz hatte seinen Posten als Bertelsmann-Vorstand daraufhin Mitte der Woche hingeworfen.

Trotz europaweit schwieriger Konjunktur legt Bertelsmann-CEO Rabe ordentliche Zahlen vor
Trotz europaweit schwieriger Konjunktur legt Bertelsmann-CEO Rabe ordentliche Zahlen vor
Insgesamt hat Bertelsmann im 1. Halbjahr 2012 ein Operating Ebit von 731 Millionen Euro erwirtschaftet - nach 739 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2011. Während Random House sein Ergebnis von 69 auf 113 Millionen Euro gesteigert hat, ging es bei der RTL Group um 47 Millionen auf 498 Millionen Euro zurück, bei Gruner + Jahr um 39 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro. Dass das Bertelsmann-Ergebnis trotzdem relativ stabil ist, liegt an geringeren Verlusten in der Musiksparte BMG, sowie an weniger Sondereinflüssen und dem Wegfall von Verlusten aus nicht-fortgeführten Aktivitäten.

Der Konzernumsatz ist trotz eines europweit unsicheren Klimas um 5 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gestiegen. Auch hier konnte vor allem Random House dank eines gesteigerten E-Book-Absatzes zulegen, aber auch die RTL Group und der Dienstleistungskonzern Arvato, von dem der schrumpfende Druckbereich rückwirkend zum 1. Januar 2012 abgetrennt wurde. Dieser firmiert derzeit unter "Print". Mit 2,09 Milliarden Euro Umsatz ist Arvato die zweitwichtigste Sparte nach der RTL Group. Bei Gruner + Jahr bleibt der Umsatz mit 1,111 Milliarden Euro fast stabil.

Trotz aller Turbulenzen um Gruner + Jahr gibt sich Bertelsmann-CEO Thomas Rabe seinem offiziellen Statement zu den Quartalszahlen entspannt. "Die Entwicklung im 1. Halbjahr verlief insgesamt positiv. Besonders freut mich, dass Bertelsmann deutlich wächst und das vornehmlich organisch", so Rabe. Für das Gesamtjahr 2012 rechnet er mit einem "moderaten Umsatzwachstum, einem weiterhin hohen Operating Ebit und einem im Vergleich zum Vorjahr höheren Konzernergebnis".

G+J-Boss Bernd Buchholz
G+J-Boss Bernd Buchholz
Der Rücktritt von Bernd Buchholz wird in der Pressemitteilung mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen lobt der Konzern den Ausbau der Digitalvermarktung. Wie stark dieser vorangekommen ist, ist jedoch umstritten. G+J hätte in den vergangenen Jahren lieber mehr ins digitale Geschäft investiert - auch durch Zukäufe

Rabe will - wie im März bereits angekündigt - den Konzern in den nächsten Jahren schrittweise umbauen. Dazu nennt er vier strategische Stoßrichtungen: Erstens die Stärkung der Kerngeschäfte, zweitens die digitale Transformation der Geschäfte, drittens der Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie veirtens die Expansion in Wachstumsregionen, insbesondere in Asien und Südamerika. pap
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