Bertelsmann löst Direct Group auf

Mittwoch, 15. Juni 2011
Hartmut Ostrowski macht bei der Direct Group einen Schnitt
Hartmut Ostrowski macht bei der Direct Group einen Schnitt


Wie CEO Hartmut Ostrowski im März bereits im HORIZONT-Interview (Ausgabe 13/2011) angedeutet hat, löst Bertelsmann den Geschäftsbereich Direct Group nun tatsächlich auf. Der Konzern ist seit Jahren mit dem Rückbau der Sparte beschäftigt, die von dem charismatischen Manager Fernando Carro geführt wird. Ende Mai erst hatte die Direct Group die französischsprachigen Geschäfte an den amerikanischen Investor Najafi Companies verkauft. Mit Wirkung zum 30. Juni wird die Direct Group aufgelöst, dann steht Bertelsmann nur noch auf den vier Säulen RTL Group, Random House, Gruner + Jahr und Arvato. Seit 2008 hatte Bertelsmann die Direct Group, in der die Keimzelle des Konzerns, die Buchclubs, angesiedelt sind, zurückgebaut. Die Club- und Direktmarketinggeschäfte in den deutschsprachigen Ländern, in Spanien und Osteuropa werden künftig im Bereich Corporate Investments geführt. Diesen verantwortet Finanzvorstand Thomas Rabe. In Rabes Verantwortung bei Corporate Investments fälllt auch der Wachstumsbereich Musikrechte, der unter BMG auftritt, sowie die Investmentfonds Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI) und Bertelsmann Asia Investments (BAI), mit denen der Konzern in kleinere, aber vielversprechende neue Geschäftsfelder investiert.

Für die verbleibenden osteuropäischen Buchvertriebsgeschäfte in Russland und der Ukraine sowie in Tschechien und der Slowakei überprüft Bertelsmann weitere "strategische Optionen". Ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen. CEO Carro, der anders als die Chefs der übrigen Konzernsparten keinen Sitz im Bertelsmann-Vorstand hat, bleibt weiterhin für die Direct Group verantwortlich. 

2010 erzielte die Direct Group  noch einen Umsatz von 1,096 Milliarden Euro bei einem Operating Ebit von gerade mal 24 Millionen Euro. Die Direct Group France steuerte rund 600 Millionen Euro zum Umsatz bei. Ostrowski hatte HORIZONT im März auf die Frage, ob der Bereich auch in der neuen Größenordnung alleinstehend geführt werden soll, geantwortet: "Man sollte nach Möglichkeit eine Milliarde Euro Umsatz erreichen, um ein eigenständiger Bertelsmann-Bereich zu sein." 

Ostrowski arbeitet hart am Umbau von Europas größtem Medienkonzern. Die Portoliobereinigung dürfte nun weitgehend abgeschlossen sein. Der CEO will in den kommenden Jahren sowohl organisch als auch durch Zukäufe signifikant wachsen und eine neue wachstumstarke Sparte neben den bestehenden nunmehr vier Säulen aufbauen. Im Gespräch waren immer wieder Investitionen in den Bereich Bildung oder auch Dienstleistungen im Bereich Health Care. pap
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