Bertelsmann legt Einstieg bei N-TV auf Eis

Donnerstag, 27. September 2001

Der Medienkonzern Bertelsmann überdenkt wegen der schlechten konjunkturellen Lage den Einstieg von RTL beim Nachrichtensender N-TV. Aus Unternehmenskreisen wurde berichtet, dass der vereinbarte Kaufpreis von 150 Millionen Mark bei dem zurzeit schrumpfenden Werbemarkt eine zu hohe Summe sei. Im Gespräch war die Übernahme von 24,27 Prozent der Anteile von N-TV-Gesellschafter AOL Time Warner.

Didier Bellens, Geschäftsführer der RTL Group: "Zwei Dinge sind für uns entscheidend: Zum einen ist das die Frage der Kontrolle. 25 Prozent sind uns nicht genug. Wir sind kein finanzieller Investor, wir wollen die Kontrolle. Zum zweiten ist es eine Frage des richtigen Preises. Wir wollen für unser Investment nicht mehr bezahlen, als es wert ist."

Zufrieden zeigte sich Bertelsmann mit den aktuellen Geschäftszahlen. Der Konzern verbuchte im Geschäftsjahr 2000/2001 einen Umsatzanstieg um 21 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen um 79 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro. Im Vorjahr belief sich die Summe auf 1,77 Milliarden Euro. Dies sei der größte Gewinn in der Firmengeschichte, betonte der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann Thomas Middelhoff.

Der Jahresüberschuss stieg um 44 Prozent auf 968 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr fällt in den Zeitraum von Juli 2000 bis Juni 2001 und lag somit zumindest teilweise noch in der werbestarken Zeit. Die beiden wichtigsten Töchter Bertelsmanns, die RTL Group und Gruner + Jahr, hatten zuletzt zweistellige Gewinneinbrüche zu vermelden. Middelhoff betonte dennoch, dass die Performance der RTL Group in einem schwierigen Marktumfeld vorbildlich sei.
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