Bertelsmann bekommt für RTL-Anteile 1,4 Milliarden Euro

Dienstag, 30. April 2013
Der Verkauf der RTL-Anteile spült Bertelsmann 1,4 Milliarden Euro in die Kasse
Der Verkauf der RTL-Anteile spült Bertelsmann 1,4 Milliarden Euro in die Kasse


Bertelsmanns Verkauf von 17,2 Prozent der Anteile an der RTL Group war erfolgreich. Wie der Konzern heute bekannt gegeben hat, wird er 25,5 Millionen Aktien für je 55,50 Euro verkaufen und damit 1,4 Milliarden Euro erlösen. Nach der Platzierung der Aktien, die nun auch an der Frankfurter Börse gehandelt werden, wird Bertelsmann noch 75,1 Prozent an Europas größtem TV-Konzern halten.
Bertelsmann hatte im Februar angekündigt, sich von Teilen seines lukrativsten Assets trennen zu wollen, um mit dem Geld in neue Geschäftsfelder zu investieren. Die Entscheidung bedeutete einen Strategieschwenk. Bislang hielt Bertelsmann 92,3 Prozent der Anteile und hatte auch versucht, die restlichen an der Luxemburger Börse gehandelten 7,7 Prozent zu kaufen. Der Versuch, diese via Squeeze-out zu übernehmen, war jedoch 2008 aufgrund des Luxemburgischen Aktienrechts gescheitert.

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe will in neue Geschäftsfelder investieren, nicht zuletzt um die Abhängigkeit vom volatilen Werbemarkt zu senken. "Die Erlöse aus dem Aktienverkauf werden wir zur Finanzierung unserer Wachstumsstrategie verwenden" ,so Rabe. Dabei will er die im März 2012 angekündigten vier Stoßrichtungen verfolgen: Stärkung des Kerngeschäfts, digitaleTransformation, Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie regionales Wachstum. "Unser Ziel ist es, Bertelsmann in den nächsten Jahren wachstumsstärker, digitaler und internationaler zu machen."

Die RTL Group gehört in der Tat nicht zu den wachstumsstärksten Geschäftsbereichen von Bertelsmann. Mit fast 6 Milliarden Euro Umsatz trägt sie jedoch den Großteil zum Gesamtumsatz von 16 Milliarden Euro bei. Das Reported Ebita, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, steuerte mit 1,078 Milliarden Euro im Jahr 2012 sogar noch mehr bei. Bertelsmann selbst erzielte ein Operating Ebit von 1,735 Milliarden Euro und ein Operating Ebitda von 2,213 Milliarden Euro. Die Herausforderung für Rabe liegt damit darin, nicht nur Geschäftsfelder zu finden, die stark wachsen, sondern auch hohe Gewinne nach Gütersloh abführen.

Zuletzt hatte Rabe das Engagement im Musikgeschäft ausgebaut und im März den Finanzinvestor KKR beim Joint Venture BMG ausgekauft. Der Kaufpreis für die 51 Prozent soll zwischen 700 und 800 Millionen Euro betragen haben. Zudem verstärkt Bertelsmann seine Aktivitäten im Buchbereich bei der Tochter Random House. Diese hat ein Joint Venture mit Penguin vereinbart, das Penguin Random House heißt. Zu Bertelsmann gehören außerdem der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und die Dienstleistungssparte Arvato.

Weitere Zukäufe sind in der Schwebe. Besonders in das Feld Education wollte Rabe investieren. Lange wurde Bertelsmann als Käufer von Springer Science and Business Media gehandelt worden. Der dort aufgerufene Kaufpreis von 3 bis 4 Milliarden Euro gilt aber als zu hoch. pap
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