Bertelsmann: Strategievorstand Thomas Hesse will Portale mit Nutzwert forcieren

Donnerstag, 20. Dezember 2012
Thomas Hesse ist seit Februar 2012 Entwicklungsvorstand von Bertelsmann
Thomas Hesse ist seit Februar 2012 Entwicklungsvorstand von Bertelsmann


Thomas Hesse, seit Februar 2012 Vorstand für Unternehmensentwicklung und neue Geschäfte, hat der "Süddeutschen Zeitung" das erste Interview in seiner neuen Funktion gegeben. Konkrete neue Projekte kündigte der 46-Jährige gegenüber der SZ noch nicht an. Zwischen den Zeilen klingt allerdings an, dass es offenbar nicht ganz leicht ist, Europas größten Medienkonzern für die Herausforderungen der digitalen Zukunft fit zu machen.
Hesse verantwortet seit Anfang des Jahres das wohl wichtigste Vorstandsressort von Bertelsmann. Sein Job ist es, den Medienkonzern zukunftsfähig zu machen und neue Geschäftsfelder in der digitalen Welt zu identifizieren und zu erschließen. Offensichtlich eine herausfordernde Aufgabe in dem familiengeführten Konzern: "Alles über den Haufen zu werfen und die Dinge neu zu erfinden, das fällt manchmal schwer, aber genau das macht die digitale Welt aus. Phantasie und Felixibilität sind gefragt", sagt Hesse, befragt zu den Unterschieden zwischen den USA und Deutschland. Vor seinem Wechsel in den Vorstand von Bertelsmann hatte Hesse das weltweite Digitalgeschäfts von Sony Music Entertainment verantwortet.

Man habe im Rahmen der Konzernstrategie "eine Reihe von Prioritäten im digitalen Umfeld ausgemacht": Im TV-Geschäft, mit der RTL Group die wichtigste Cash-Cow von Bertelsmann, wolle man vor allem den Ausbau von Angeboten für die nicht-lineare Nutzung vorantreiben. Daneben sei der Ausbau der Online-Werbung für TV und Zeitschriften sowie das E-Book-Geschäft bei Random House entscheidend. 

Etwas konkreter wird Hesse im Zusammenhang mit dem stagnierenden Zeitschriftengeschäft: "Am Ende sehe ich zwei Wege: Stark fokussierte Service- und Inhalte-Angebote, die hohen Nutzwert bieten, zum Beispiel in den Bereichen Auto, Immobilien, Essen oder Wohnen, die messbaren Mehrwert für die Kunden und für die werbetreibende Wirtschaft schaffen." Ein Beispiel dafür sei das Kochportal Chefkoch.de von Gruner + Jahr. "Der zweite Weg besteht darin, dass Medien mit einer unverwechselbaren Stimme, einem unverwechselbaren Beitrag, ohne den Sie als Leser nicht auskommen wollen, den Weg zum gemischten Werbe- und Bezahlmedium schaffen." Und dies möglichst auf allen Kanälen.

Ob es interne Widerstände gebe? "Das Interesse an Zusammenarbeit ist groß, insbesondere auf der Arbeitsebene", betont der Manager. Die vom Bertelsmann-Vorstand definierten wichtigsten Wachstumsbereiche liegen mit dem Musikrechtegeschäft, dem Bereich Education und Wirtschaftsinformationen allerdings eher abseits des klassischen Mediengeschäfts. dh
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