Bertelsmann: RTL Group und Erotik lassen Gewinne sprudeln

Dienstag, 26. März 2013
"Wichtige Weichen gestellt": Thomas Rabe sieht Bertelsmann auf Wachstumskurs
"Wichtige Weichen gestellt": Thomas Rabe sieht Bertelsmann auf Wachstumskurs


Bertelsmann hat im Geschäftsjahr 2012 dank der soliden Performance seiner wichtigsten Standbeine Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die Verlagsgruppe Random House und die RTL Group haben dem Medienkonzern sogar einen kleinen Gewinnzuwachs beschert. Die Dienstleistungssparte Arvato ist nach der Ausgliederung des Druckgeschäfts wieder auf Wachstumskurs, Gruner + Jahr kämpft dagegen mit Umsatzverlusten und Einmaleffekten durch die Einstellung der "Financial Times Deutschland". Insgesamt zog Konzernchef Thomas Rabe aber eine positive Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Man habe wichtige Weichen für ein nachhaltiges Wachstum des Medienkonzerns gestellt.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick: Der Umsatz des Medienkonzerns stieg im Jahr 2012 um 4,5 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten lag mit 1,74 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert von 1,76 Milliarden. Unter dem Strich erzielte Bertelsmann ein Konzernergebnis in Höhe von 619 Millionen Euro (2011: 612 Millionen Euro).

Wie bereits berichtet haben vor allem Random House und die RTL Group starke Ergebnisse abgeliefert: Die weltweit größte Buchverlagsgruppe erlebte dank des Sensationserfolgs der Erotik-Romane "Fifty Shades" ein Rekordjahr: Der Umsatz von Random House stieg um 22,5 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, das Operting Ebit kletterte um über 75 Prozent auf 325 Millionen Euro. Mit dem Zusammenschluss von Random House mit der Verlagsgruppe Penguin will der Verlag seine führende Position weiter festigen. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

Auch die RTL Group hat dank des brummenden Geschäfts in Deutschland ein Rekordergebnis vorgelegt: Der Umsatz des TV-Konzerns stieg im vergangenen Jahr wie bereits berichtet auf knapp 6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis blieb aufgrund der schwachen Konjunktur in den südeuropäischen Ländern mit 1,08 Milliarden aber unter dem Vorjahresniveau, der Gewinn sank um 13 Prozent auf 690 Millionen Euro.

Sorgen bereitet dem Konzern weiter der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr: Der Umsatz sank um 3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis brach um knapp 28 Prozent auf 168 Millionen Euro ein. Vor allem Investitionen in digitale Geschäftsfelder und die Kosten durch die Einstellung der "Financial Times Deutschland" belasteten das Ergebnis. Die Umsatzrendite sank mit 7,6 Prozent deutlich in den einstelligen Bereich. "Dynamisches Wachstum" vermeldet Bertelsmann für die Digitalvermarkter G+J EMS und Ligatus.

Die Dienstleistungsparte Arvato ist nach der Ausgliedeung des schrumpfenden Druckgeschäfts dagegen wieder auf Wachstumskurs: Der Umsatz auf Basis fortgeführter Geschäfte kletterte um 5,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verringerte sich um 10,4 Prozent auf 241 Millionen Euro. Der Umsatz der im neuen Bereich Be Printers gebündelten Druckaktivitäten ging um 2,1 Prozent auf 1,2 Milliraden Euro leicht zurück. Das Operating Ebit sank um 16,7 Prozent auf 60 Millionen Euro.

"Bertelsmann verändert sich zügig und nachhaltig. Wir haben 2012 und in den ersten Monaten dieses Jahres wichtige Weichen gestellt, um unser Wachstumsprofil zu verbessern. Dies wird sich bereits im laufenden Jahr positiv bemerkbar machen", kommentiert Bertelsmann-Boss Thomas Rabe die Bilanz 2012: "Sowohl der angestrebte Zusammenschluss im Buchverlagsgeschäft als auch die BMG-Übernahme werden zu deutlichen Umsatzzuwächsen führen, sobald die kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen. Wir werden das Tempo weiter hoch halten, insbesondere beim Ausbau unserer Wachstumsplattformen wie die Fernsehproduktion, Finanzdienstleistungen, Rechtemanagement und Bildung. Neu erschließen wollen wir das Geschäftsfeld Business Information. All diese Maßnahmen dienen dem Ziel, Bertelsmann in den nächsten Jahren wachstumsstärker, digitaler und internationaler auszurichten. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg."

Für das Jahr 2013 rechnet Bertelsmann wegen des geringen Wirtschaftswachstums und aufgrund höherer Investitionen in den Konzernumbau mit einer stabilen bis leicht rückläufigen Entwicklung seiner bestehenden Geschäfte. Ab 2014 rechnet Rabe durch die geplanten Übernahmen dann wieder mit einem deutlichen Umsatzwachstum: "Unter der Annahme einer langsamen Erholung der europäischen Märkte und unter Berücksichtigung der angekündigten Akquisitionen peilen wir ab 2014 einen Umsatz von circa 18 Milliarden Euro an." dh
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