Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn ist tot

Montag, 05. Oktober 2009
Reinhard Mohn
Reinhard Mohn

Deutschland trauert um eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der Bundesrepublik. Am Samstag starb im Alter von 88 Jahren Bertelsmann-Nachkriegsgründer Reinhard Mohn. Unter seiner Führung wuchs das Druck- und Verlagshaus Bertelsmann vom Familienbetrieb zu einem der größten Medienkonzerne der Welt. "Reinhard Mohn hat deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Wie kein anderer verkörpert er, was Bertelsmann ist: ein weltoffenes und den Mitarbeitern verpflichtetes Unternehmen", würdigt Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski die Verdienste des Firmenpatriarchs.

Mohn war bis 1981 Vorstand von Bertelsmann, zehn Jahre später legte er das Mandat des Aufsichtsratsvorsitzenden nieder. Er begleitete die Entwicklung des Konzerns bis zuletzt als Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats sowie als Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung. Mohn war unter anderem Träger des Bundesverdienstordens mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, des Spanischen Großkreuzes und Ehrenmitglied des Club of Rome.

Für Bertelsmann bedeutet der Tod des Firmenpatriarchs eine Zäsur. Mit seinem Sitz in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft hatte Mohn bis zuletzt ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen. "Das Veto stirbt mit Reinhard Mohn", heißt es nach einem Bericht von Spiegel Online bei Bertelsmann. Wer ihm im Verwaltungsrat nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Dies werde zu gegebener Zeit entschieden, heißt es aus Gütersloh. In der Stiftung folgte ihm 2008 seine Tochter Brigitte Mohn nach. Beobachter gehen davon aus, dass Brigitte Mohn, älteste Tochter von Reinhard Mohn und dessen zweiter Frau Liz, die Familie künftig auch in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft vertreten wird. 

Entsprechend wurde auch eine Passage in dem 2008 erschienen Buch Buch "Von der Welt lernen" von Reinhard Mohn interpretiert. Darin schrieb er: "Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat ... Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann-Stiftung einbringen." 

Diese Zeilen wurden von Beobachtern als klares Votum für Brigitte Mohn interpretiert. Johannes Mohn, 59, ältester Sohn von Reinhard Mohn aus erster Ehe und lange als natürlicher Nachfolger seines Vaters gehandelt, hat sich bereits aus dem Unternehmen zurückgezogen. Christoph Mohn war zuletzt Vorstandsvorsitzender und Gesellschafter des Internetunternehmens Lycos Europe.

Brigitte Mohn, 45, ist seit Anfang 2008 Mitglied des Aufsichtsrates von Bertelsmann und seit 2005 Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Die promovierte Politikwissenschaftlerin arbeitete zuvor als Lektorin am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, im Direktmarketing verschiedener Verlage und war Beraterin für McKinsey. Innerhalb der Stiftung kümmert sie vor allem um gesundheitspolitische Fragen. dh
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