Bertelsmann: Ostrowski hofft auf Jahresendrallye im Werbemarkt

Donnerstag, 26. November 2009
"Ermutigende Signale:" Hartmut Ostrowski
"Ermutigende Signale:" Hartmut Ostrowski

Vorsichtige Zuversicht bei Europas größtem Medienkonzern: Bei Bertelsmann will man zwar noch nicht von einem Ende der Wirtschafts- und Werbekrise sprechen - dennoch macht Vorstandschef Hartmut Ostrowski "ermutigende Signale" aus: "Zumindest in Deutschland beobachten wir eine kleine Jahresendrallye auf Werbeflächen", sagte er am Mittwochabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Andere Märkte, etwa Spanien, blieben schwierig. Bertelsmann erzielt ein Drittel seiner Umsätze aus Werbung. Einen Gesamtgewinn für den Konzern am Jahresende wollte Ostrowski "nicht ausschließen" - in Zeiten wie diesen ist das eine Erwähnung wert. In den ersten neun Monaten schrieben die Gütersloher einen Verlust von 246 Millionen Euro. Zudem werde Bertelsmann am Jahresende weniger Schulden haben als im Vorjahr, so der CEO. Dafür muss aber in den letzten Wochen noch einiges passieren: Denn gegenüber Ende 2008 sind die Nettofinanzschulden zu Ende September 2009 von gut 3,4 auf über 3,6 Milliarden Euro gestiegen, und die wirtschaftlichen Finanzschulden (inklusive Pensionsrückstellungen) gar von 6,6 auf fast 7 Milliarden Euro.

Es mag auch am nahen Baumwall - und an den aktuellen Turbulenzen dort - gelegen haben, dass sich viele Fragen um die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr drehten. „Zeitschriften bleiben Kerngeschäft bei G+J", betonte Ostrowski. Seine Einschätzung speziell zur G+J Wirtschaftspresse, deren tiefgreifender Umbau vor knapp einem Jahr begonnen wurde, fiel nach dem Eindruck mehrerer Beobachter jedoch seltsam verzagt aus: Der Umbau, so der Bertelsmann-Chef, sei zu einem Zeitpunkt beschlossen worden, als das Ausmaß der Wirtschaftskrise noch nicht erkennbar gewesen sei, und er bemerke, dass etwa die „FTD" kaum Anzeigen aufweise. „Ich glaube, es kann noch was werden", so Ostrowski immerhin: "Der Vorstand von G+J ist kompetent, die Lage zu beurteilen und zu wissen, was zu tun ist."

Apropos G+J-Vorstand: Auffällig war, dass Ostrowski - ohne dass ihn überhaupt jemand danach gefragt hätte - "nicht ausschließen" wollte, dass es dort eines Tages wieder ein journalistisches Mitglied geben könnte. Seit dem Wechsel von Mitgesellschafterin Angelika Jahr vom Vorstand in den Aufsichtsrat im April 2008 ist dieser Posten vakant; außerdem ist der G+J-Vorstand mit derzeit drei Personen nicht überbesetzt. Ein anerkannter Journalist im Gremium - viele denken hier etwa an „Stern"-Chefredakteur Andreas Petzold - könnte auch deshalb eine gute Idee sein, um die Redaktionen im schwelenden Streit mit dem Vorstand um die Umbauten im Verlag einzubinden, die Akzeptanz der Entscheidungen zu erhöhen und zu dokumentieren, dass „G+J ein journalistisches Haus ist und bleibt", wie Aufsichtsratchef Ostrowski am Abend in einem anderen Kontext sagte.

Die Frage danach, warum Umstrukturierungen, die ähnlich auch anderswo stattfinden, bei G+J so ausgesucht lautstark und öffentlichkeitswirksam vonstatten gehen, beantwortete Ostrowski in Zeugnissprache: „G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz macht seine Sache insgesamt sehr gut." Bertelsmann stehe "voll dahinter". Gleichwohl äußerte sich Ostrowski zum G+J-Geschäft operativer als zu anderen Bertelsmann-Sparten, etwa RTL. Gruner + Jahr könnte weitere internationale Geschäfte abgeben, erklärte er. In dieser Woche hatte der Verlag den Verkauf seiner russischen Magazine an den Rivalen Axel Springer offiziell gemacht. rp
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