Bertelsmann: Gunter Thielen stützt Burnout-These

Mittwoch, 12. Oktober 2011
Für Aufsichtsratschef Thielen war Finanzvorstand Rabe schon immer ein Kandidat für die Spitze
Für Aufsichtsratschef Thielen war Finanzvorstand Rabe schon immer ein Kandidat für die Spitze

Bertelsmanns Aufsichtsratschef Gunter Thielen zeigt sich im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verständnisvoll für den Rückzug von CEO Hartmut Ostrowski. "Die Gesundheit ist wichtiger, als diesen Job zu machen", kommentiert er die These, der derzeitige Vorstandsvorsitzende habe sich wegen eines drohenden Burn-outs zurückgezogen. Er persönlich habe jedoch keine Erschöpfung bemerkt. Wenn Ostrowski für eine zweite Amtszeit angetreten wäre, hätte Tielen für ihn votiert: "Wenn er fit gewesen wäre, ja, auf jeden Fall", sagt er. Kurz nachdem bekannt geworden war, dass Ostrowski zum Jahresende in den Aufsichtsrat wechselt und der jetzige Finanzchef Thomas Rabe das Ruder übernimmt, waren die Burnout-Gerüchte durchgesickert, aber auch schnell als mögliche Legende kommentiert worden.

Der designierte Vorstandsvorsitzende Rabe ist für Thielen "immer ein potenzieller Kandidat für den Chefposten bei Bertelsmann gewesen", sagt er der "FAZ". Nun soll der Konzern wieder wachsen. "Erst seit sechs Monaten sind wir in einer Phase, wo wir wieder richtig Gas geben können", räumt Thielen ein, der vor Ostrowski Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Medienkonzern war. In fünf Jahren soll Bertelsmann wieder auf mehr Geschäftsfelder ausgerichtet sein. Derzeit sind die Unternehmensaktivitäten auf die vier Töchter RTL Group, den Dienstleister Arvato, den Buchverlag Random House und Gruner + Jahr verteilt.

Rabe arbeitet in dem Bereich "Corporate", den er verantwortet mit dem Joint Venture BMG Rights Management am Ausbau der Musikverlagssparte und investiert mit den Fonds Bertelsmann Digital Media Investments und Bertelsmann Asia Investments in Zukunftsbereiche. Auch der Aufbau des Education-Geschäftes, das Ostrowski vor Jahren angekündigt hatte, fällt bereits in die Verantwortung von Rabe.

Als Nachfolger für Rabe als CFO ist der Aufsichtsrat auf der Suche "nach einem großen Kaliber". Zwar gebe es intern viele gute Leute, "aber die sind noch sehr jung", so Thielen.

Er selbst will den Aufsichtsratsvorsitz und den Vorsitz der Bertelsmann-Stiftung nach seinem 70. Geburtstag zum Jahresende 2012 abgeben. Dass Brigitte Mohn an die Stiftungsspitze wechselt und Christoph Mohn den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, bestätigt er nicht. "Über meine Nachfolge ist noch in beiden Fällen nicht entschieden", sagt Thielen. Die Kinder von Patriarchin Liz Mohn und dem 2009 verstorbenen Reinhard Mohn gelten als wahrscheinlichste Anwärter auf die Spitzenpositionen. pap
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