Bertelsmann: Geringere Verschuldung und starkes Ergebnis / Südmersen muss gehen

Mittwoch, 19. Januar 2011
Versprüht wieder Optimismus: Hartmut Ostrowski
Versprüht wieder Optimismus: Hartmut Ostrowski

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat wieder mehr Freiraum für Investitionen. Nach einem Bericht der "FTD" sind die Nettofinanzschulden laut CEO Hartmut Ostrowski 2010 auf weniger als 2 Milliarden Euro gesunken. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen ein "bei höheren Umsätzen ein starkes operatives Ergebnis und eine herausragende Umsatzrendite erreicht", zitiert das Blatt aus Bertelsmanns Intranet. Für 2010 hatte Ostrowski bislang ein Ergebnis von rund einer halben Milliarde Euro angepeilt. Das wäre eine deutliche Steigerung zum Krisenjahr 2009, in dem Bertelsmann dank einem beherzten Sparprogramm noch schwarze Zahlen in Höhe von 35 Millionen Euro schreiben konnte. Die Nettofinanzverschuldung lag 2009 bei rund 2,79 Milliarden Euro, der Umsatz bei 15,4 Milliarden Euro.

Zum Ergebnisanstieg dürften auch die Portfoliobereinigungen beigetragen haben. 2010 hat Bertelsmann sich unter anderem von Aktivitäten der Buchklubsparte Direct Group getrennt sowie den britischen Sender Five, der zur Konzerntochter RTL Group gehörte, verkauft. Investieren will Ostrowski nun in das wiederbelebte Musikverlagsgeschäft, Bildung, E-Commerce oder Fachinformationsdienste. Größere Investitionen, gerade in den schon vor zwei Jahren ins Visier genommenden Bereich Bildung, sind bislang ausgeblieben. Angesichts des Konjunkturaufschwungs 2010 und der geringeren Verschuldung könnte sich das nun ändern. "Damit haben wir jetzt neue Handlungsspielräume", sagte Ostrowski laut "FTD".

Wenig zufrieden scheint er dagegen mit der Entwicklung bei der Bertelsmann-Tochter Arvato zu sein, präzise mit dem Bereich Arvato Services. Der dafür verantwortliche Vorstand Eckhard Südmersen muss mit sofortiger Wirkung nach dreieinhalb Jahren gehen, berichtet das "Handelsblatt". Südmersen ist ein langjähriger Weggefährte von Ostrowski.

Sowohl Ostrowski, als auch Arvato-Chef Rolf Buch sollen unzufrieden mit der Entwicklung des von ihm verantworteten Bereich gewesen sein, der mehr als ein Viertel zum 4,8 Milliarden Euro schweren Gesamtumsatz von Arvato beitragen soll. Die Druck- und Servicesparte Arvato ist nach der RTL Group das zweitgrößte Standbein des Konzerns. Kritiker bemängeln laut "Handelsblatt" Südmersens fehlende Offensivstrategie im Servicebereich. Der Vorstandsposten soll nicht wiederbesetzt werden und die Aufgaben auf die verbleibenden fünf Vorstandsmitglieder verteilt. pap
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