Bertelsmann-Chef Rabe bekundet Interesse an Springer Science

Freitag, 20. April 2012
"Wachsen nicht in dem Maße, wie wir es uns vorstellen": Thomas Rabe
"Wachsen nicht in dem Maße, wie wir es uns vorstellen": Thomas Rabe


Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat den Strategieschwenk des Medienkonzerns verteidigt. Eilig hat es der 46-Jährige mit einem möglichen Börsengang indes nicht. Im August und September werde zunächst über die Strategie entschieden, danach über die Finanzierung. Mögliche Übernahmeziele hat er aber schon im Blick. "Nein, das Unternehmen hatte nicht die falsche Strategie", stellt Rabe im Interview mit dem "Manager Magazin" klar. Man habe das Portfolio von Bertelsmann erfolgreich konsolidiert und stehe heute insgesamt gut da. "Es ist aber auch so, dass die Geschäfte nicht in dem Maße wachsen, wie wir es uns vorstellen", räumt der Vorstandvorsitzende ein.

Bertelsmann hatte Ende März überraschend angekündigt, seine Rechtsform in eine SE & Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umzuwandeln, um sich neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen - entweder über einen Börsengang oder den Einstieg von Investoren. Noch vor sechs Jahren hatte die Eigentümerfamilie Mohn einen Börsengang durch den Rückkauf eines 25-prozentigen Aktienpakets verhindert und dem Medienkonzern damit einen Schuldenberg von 4,5 Milliarden Euro aufgebürdet.

"Ein Börsengang von Bertelsmann wäre 2006 von GBL durchgeführt worden, nicht in unserer Regie", begründet Rabe die damalige Entscheidung. "Außerdem wäre ein solcher Schritt damals nur in der Rechtsform der Aktiengesellschaft möglich gewesen und nicht in der jetzt angedachten Rechtsform SE & Co KGaA." Diese Rechtsform würde dem Medienkonzern einen Börsengang ermöglichen, ohne dass die Eigentümerfamilie Mohn die Kontrolle über das Unternehmen aus der Hand geben müsste.

Ob Bertelsmann sich an der Börse neues Kapital beschaffen wird oder Investoren ins Boot holt, darüber will Rabe zu gegebener Zeit entscheiden: "Wir haben im August eine Strategieklausur und im September ein Managementmeeting. Ich werde also auch in den nächsten Monaten keine Gespräche mit Investoren führen", betont Rabe. Sollte man sich für die Aufnahme von Investoren entscheiden, dann "sicher solche, die nicht die Quartals- sondern die langfristige Entwicklung von Bertelsmann im Blick haben".

Rabe äußerte sich auch zu möglichen Übernahmezielen: "Wir interessieren uns für das Musikrechte- und Bildungsgeschäft und für sogenannte Informationsdienstleitungen. Dazu gehört auch Springer Science." dh
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