Bertelsmann-Chef Ostrowski: "Stärken, entwickeln, expandieren"

Dienstag, 29. März 2011
Hartmut Ostrowski will Bertelsmann zukunftsfest machen
Hartmut Ostrowski will Bertelsmann zukunftsfest machen


Nachdem Europas größter Medienkonzern Bertelsmann für 2010 Rekordzahlen vorgelegt hat und leistungsstärker da steht denn je, blickt CEO Hartmut Ostrowski nach vorn und hat heute seine neue Strategie präsentiert. "Wir wollen nicht die Größten sein - aber wir wollen unter den Großen zu den Stärksten und Fittesten gehören", sagte Ostrowski heute bei der Präsentation der Zahlen in Berlin. Die Nettoverschuldung ist auf unter 2 Milliarden Euro gesunken, die wirtschaftlichen Schulden auf unter 5 Milliarden Euro. Damit hat Bertelsmann in den vergangenen fünfeinhalb Jahren rund 5 Milliarden Euro getilgt und ist wieder auf dem Niveau vor dem Rückkauf der Anteile an der RTL Group angekommen. Unter dem Motto „Stärken, entwickeln, expandieren", will der CEO das Geschäft in den kommenden Jahren nun in drei Richtungen ausbauen.

Kerngeschäfte stärken: Bertelsmann will die Kerngeschäfte fortlaufend weiter verbessern und Marktchancen nutzen. "Die Digitalisierung ist für uns nicht Bedrohung, sondern Chance. Und jetzt, da neue, mobile Endgeräte massenmarkttauglich sind, ergeben sich für uns neue Möglichkeiten, mit der Digitalisierung noch stärker zu wachsen", sagte Ostrowski.

So konnte der Konzern trotz des ambitionierten Sparkurses 2009 zum Beispiel die Marktposition im TV-Zuschauermarkt in Deutschland verbessern und mit elektronischen Büchern in USA punkten. Die Dienstleistungstochter Arvato baut die Wertschöpfungsketten aus und arbeitet auch für Google und Amazon. Gruner + Jahr verstärkt den Bereich Corporate Publishing. Die RTL Group erzielte europaweit 2010 rund 1,4 Milliarden Online- und On-Demand-Abrufe. Gruner + Jahrs Vertriebstochter DPV und die Direct Group haben den Online-Kiosk Pubbles gelauncht.

Entwicklung des Portfolios: Ostrowski hat den Konzern in den vergangenen Jahren beherzt umgebaut. So wurden große Teile der Direct Group verkauft, der britische Fernsehsender Five und einzelne Geschäfte von Gruner + Jahr in Osteuropa. Für die Direct Group in Frankreich laufen derzeit die Verkaufsverhandlungen. Nun will der Konzern wieder investieren. Finanzvorstand Thomas Rabe stellt dafür für 2011 ein Volumen von rund einer Milliarde Euro in Aussicht. „Wann immer wir in den letzten Jahren Umsatz abgegeben haben, haben wir damit gleichzeitig auch den Boden für neues Wachstum bereitet", so Ostrowski.

Vor allem Länder wie China und Indien stehen dabei oben auf der Agenda. „Die Marktpotenziale sind enorm: China beispielsweise wird in drei Jahren der drittgrößte Medienmarkt der Welt sein", schätzt Ostrowski. Derzeit hält das Unternehmen über seine Risikokapital-Fonds Bertelsmann Asia Investments und Bertelsmann Digital Media Investments rund 20 Beteiligungen. 

Expandieren: Als Beispiel für organische Wachstumsmöglichkeiten nennt Ostrowski die Entwicklung des Musikrechtegeschäfts bei BMG, einem Joint Venture, das der Konzern gemeinsam mit KKR betreibt. Das Unternehmen besteht seit zweieinhalb Jahren  und ist ein Profiteur der momentanen Marktbereinigung. Es wird auch als Bieter für das Musikrechtegeschäft von Warner und Emi gehandelt.

Aber auch in neue Bereiche will Ostrowski nun endlich gehen. Wie mehrfach angekündigt sind dies die Felder Professional Information, Dienstleistungen im Healthcare-Bereich und Bildung. Doch der Konzern will nicht um jeden Preis durch Zukäufe wachsen. Ostrowski: "Bertelsmann ist bereit zu investieren - in das richtige Geschäft, zum richtigen Preis und zur richtigen Zeit. Aber wir stehen nicht unter Druck - schon gar nicht unter Druck, überhöhte Marktpreise zu zahlen." pap
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