Bertelsmann-Chef Ostrowski: Digitalisierung ist "Evolution auf Speed"

Mittwoch, 21. September 2011
Ostrowski macht sieben Erfolgsfaktoren aus, um in der Digitalisierung zu bestehen
Ostrowski macht sieben Erfolgsfaktoren aus, um in der Digitalisierung zu bestehen

Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, findet klare Worte. "Die Digitalisierung hat die Evolution der Medien radikal beschleunigt: Digitalisierung ist Evolution auf Speed", sagte er auf seiner Key-Note zur Eröffnung der Dmexco in Köln. Die Medienunternehmen müssten sich auf die neue Welt einstellen. Doch Technologie alleine sei nichts wert, ohne die Inhalte. Die neuen Devices wie iPad und Smartphones seien wie in einem Fußballstadion, das auch nur interessant ist, wenn darin gespielt wird. "Es ist an uns, den Inhalteproduzenten, all diese Geräte mit mit Substanz und Leben zu erfüllen!", schrieb er den Zuhörern ins Stammbuch. Insgesamt sieben Erfolgsfaktoren macht der Chef von Europas größtem Medienkonzern aus, um sich erfolgreich an die schöne, neue Welt anzupassen.

Inhalte: "Hülle ist aber nicht gleich Fülle", sagte Ostrowski. Den Abgesang auf das Geschäft mit Inhalten hält er für fehl am Platz. Auf absehbare Zeit werde es keine seriösen Markenkampagnen geben, die auf Massenwirkung sezten, die am Fernsehen vorbeikommen. "Apple und Google versuchen nicht umsonst mit aller Macht, hier ihr Stück vom Kuchen abzubekommen", so Ostrowski.

Marken: "Die Menschen vertrauen ihrer Medienmarke". Gerade in den Weiten des Internets ist die Ausgangsposition starker Marken besser, weil sie leichter gefunden werden. "Die Marke und ihr Leistungsversprechen sind der wichtigste Wert im digitalen Einerlei".

Qualitätsjournalismus: Um so mehr Inhalte sich finden lassen, um so wichtiger ist aus Ostrowskis Sicht die Einordnung. "Qualitätsjournalismus macht aus Ereignissen Nachrichten. Er gibt Nachrichten eine Struktur", sagt er.

Paid Content: Die Frage, ob die Nutzer bereit sind zu zahlen, ist die neuralgische für die Medienbranche. "Wer es gewohnt ist, Gutes for free zu bekommen - und im Internet gibt es sehr viel Gutes -, der ist schwieriger davon zu überzeugen, für sehr Gutes zu bezahlen", so Ostrowski. Entsprechend seien Werbeerlöse auf Sicht der wichtigste Erlösbringer im Netz. Aber Vorbilder wie die Online-Only Zeitung "Mediapart" in Frankreich machen Mut. "Für solche Inhalte wird es einen Bezahlmarkt geben, Flächendeckende Bezahl-Barrieren werden wir hingegen nicht erleben."

Vernetzung und Kooperation: Ostrowski hält nichts von den neuen Feindlinien, die in zahlreichen Podiumsdiskussionen aufgemacht werden, und die um die Frage kreisen, wer der Gewinner der Digitalisierung sein wird: Hardware-Untenrehmen, soziale Netzwerke, Telekommunikationsunternehmen oder doch die Medien. "Oft wird die Frage zugespitzt: als könne es nur einen geben", sagt er und appelliert zur Zusammenarbeit.

Service-Expertise: Die besten Services seien eine Voraussetzung, um "komfortable und elegante Paid Content-Lösungen realisieren zu können".

Kostenpotimierung: "Es ist vielleicht eine der härteren Wahrheiten der digitalen Medienwelt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kostenoptimierungen in unserer Branche in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen wird, so Ostrowski. Allein Bertelsmann hat die Kosten im Krisenjahr 2009 nachhaltig um eine Milliarde Euro gesenkt.

Insgesamt steht Ostrowski dem Wandel durch die Digitalisierung positiv gegenüber: "Ich glaube, dass es noch nie so spannend war, in unserer Branche zu arbeiten", sagte er. pap
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